Druckschrift 
18 (1845) Miles Wallingfords Abenteuer zu Land und zur See
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

10

der Wahl seines Kaufes wesentlich durch den Umstand bestimmenlassen, daß eine von den Kirchen der Königin Anna unserem jetzigenGute so nahe lag. In jenem Kirchlein, einem winzigen steinernenGebäude mit hohem Spitzdach und ohne Kirchthurm, ohne Glockeund Sakristei hatten drei Generationen unserer Familie ihre Taufeund ebenso mit Einschluß meines Vaters in seiner Nähe ihre Grab-stätte erhalten. Der edle, gutherzige, geradstnnige Mr. Hardingelas die Todtengebete über dem Manne, welchem sein eigener Vaterin demselben unscheinbaren Gebäude die Taufe ertheilt hatte.

Unsere Nachbarschaft hat sich in den letzten Jahren bedeutendverändert; damals wohnten fast lauter Taglöhner in unserer Nähe- Leute, welche gewissermaßen einen erblichen Anspruch auf unsereZuneigung besaßen. Dasselbe galt von dem erwähnten Geistlichen:sein Vater war auch sein Vorgänger im Amte gewesen und hatte dieTrauung meiner Großeltern besorgt; der Sohn hatte Vater undMutter zusammen gegeben und sollte nun Ersterem bei dessen Lei-chenbegängnisse seine traurigen Dienste angedeihen lassen.

Grace und ich schluchzten, als ob uns das Herz brechen wollte,so lange wir in der Kirche verweilten die arme Schwester, sotieffühlend als nervenschwach, schrie laut ans, als sie die erste^Scholle auf den Sarg uiederpoltern hörte. Unsere Mutter wardiesem traurigen Anblicke ausgewiche», da sie ihn unmöglich hätteertragen können: beinahe den ganzen Tag, an welchem das Leichen-begängnis; stattfand, sah man sie zu Haus auf ihren Knieen liegen.

Die Zeit linderte unser« Schmerz: meiner Mutter freilich ge-lang es nie, sich bei ihrem ziemlich reizbaren oder besser ge-sagt bei ihrem mit ungewöhnlicher Stärke liebenden Herzen vonden Folgen jenes unersetzlichen Verlustes völlig zu erholen. Siehatte zu heiß, zu hingebend und ausschließlich geliebt, um je wiederan eine zweite Vermählung denken zu können und lebte jetzt nurnoch für Miles Wallingford'S Kinder. Ich glaube wahrhaftig, wirwurden weit mehr aus dem Grunde geliebt, weil wir zu dem