Zwar weiß ich nicht zu sagen, welche Wonnen,
Die so mein ganzes Sein entflammt,
Daß ich nicht Ruhe finde Tag und Nacht, ich fühlte.
Denn Ohr und Auge, der Empfindung Sonnen,
Mit einer Macht, die Keinem angestammt,
Entzündeten die Gluth, die nichts mir kühlte,
In der ich brennend so mich wühlte,
Daß nichts mit Trost mich kann ernähren,
Nichts die erschreckte Kraft macht wiederkehren.
O sprich, wird's jemals wol und wann geschehen,
Daß ich mich wiederfinde, dort,
Wo ich die Augen küßte, dir mich straften?
O theures Gut, geliebte Seele, laß mich's sehen,
Wenn du erscheinst an diesem Ort.
O sprich'S, laß Trost an deinem Worte haften:
Mach, daß die Stunden sich entrafften,
Und laß sie weilen dann und wiederkehren;
Seit Amor mich verletzt, kann ich die Zeit nicht ehren.
Doch, ach, geschieht cs jä, daß ich dich halte,
Werd ich so thöricht wieder sein,
Als ich einst war, dich fort von mir zu lassen?
Rein, fest umschließ' ich dich, das Schicksal walte!
Am süßen Munde dein
Muß ich den heißen Wunsch erst ganz erfassen.
Das Andre dann sei mir erlassen;
Drum eile nur, in meinen Arm zu kehren,
Denn denk' ich's nur, kann ich dem frohen Sang nicht wehren!
Das Lied ließ die ganze Gesellschaft erkennen, daßPhilomela von einer neuen und anmuthigen Liebe gefesseltwerde; und weil ihre Worte zu vercathen schienen, daß siemehr als den bloßen Anblick gekostet hatte, so hielt mansie für glücklich, und Einige, die gegenwärtig waren, be-neideten sie darum. Doch als ihr Gesang geschlossen war,