186 Fünfter Tag. Zehnte Geschichte.
kann. Ihr aber möget, indem Ihr dieselbe mit anhört,verfahren, wie Ihr in den Garten zu thun pflegt, welcheIhr besuchet, in denen Ihr die Rosen brechet und dieDornen unberührt laßt. So überlasset denn auch hierden ehrenlosen Ehemann seiner eigenen Schmach und sei-nem Unheil, belachet in Heiterkeit den verliebten Trugseiner Frau, und heget, wo sich der Anlaß dazu bietet,Mitleid mit fremdem Unglück.
In Perugia lebte vor nicht gar langer Zeit ein rei-cher Mann, Namens Pietro da Vinciolo, welcher, weitmehr wol um Andre zu tauschen und den üblen Ruf zumindern, in dem er bei allen Peruginern stand, als ausinnerem Verlangen darnach, ein Weib nahm. Dabei gabihm das Schicksal eine Ehegenossin, die seinen Neigungennicht sonderlich entsprach. Das Weibchen, das er freite,war ein untersetztes junges Ding von rothem Haar undwarmem Blut, die am liebsten zwei Männer auf einmalgenommen hatte, während sie nun einem Menschen indie Hände gerieth, der zu ganz andern Dingen Lust hatte,als sie zu umarmen. Daß es sich so verhielt, wurde sienur allzubald gewahr, und wenn sie dann daran dachte,wie jung und frisch sie sei, und sich dabei voller Kraftund Lebenslust fühlte, so übermannte sie Anfangs nichtselten der Zorn, und es gab häufig anzügliche Reden ge-gen ihren Mcsnn, immer aber schlechtes Vernehmen. Alssie sich indessen überzeugte, daß sie auf diesem Wege ehersich selber verzehren, als der'Abscheulichkeit ihres Mannesirgend steuern werde, sagte sie bei sich selber: „DieserElende kümmert sich nicht um mich, weil er in seinerRuchlosigkeit nur säen will, wo sich nicht ackern läßt; sowill ich denn sorgen, daß ein Andrer das Erdreich bestelle,wo es locker ist. Ich habe ihn zum Manne genommenund ihm gute Mitgift zugebracht, weil ich voraussetzte,daß er ein Mann sei, und daß er begehre, wonach Ver-langen zu tragen die Männer von Natur angewiesen sind.Hätte ich ihn nicht für einen Mann gehalten, wahrlich,