Giannole di Scverino entführt seine Schwester- 145
ihrer Wünsche Besitz zu ergreifen. Minghino verstecktesich mit den Seinigcn in das nahe gelegene Haus einesseiner Freunde, um dort das Zeichen der Magd abzuwar-' ten. Giannole dagegen hielt sich mit seinen Gefährten in, einiger Entfernung von dem Hause.
Inzwischen suchten Crivello und die Magd, sobaldI Giacomino fortgegangen war, Einer den Andern auf alle» Weise zu entfernen. Erivello sagte zur Magd! „warum^ gehst Du denn noch nicht schlafen? Was in aller Welthast Du nur, Dich noch im Hause herumzutreiben?"„Ich möchte nur wissen," entgegnete die Magd, „WarumDu Deinen Herrn nicht holen gehst? Warum wartest Dudenn, nun Du gegessen hast?" Und so gelang es Kei-nem, den Andern von der Stelle zu bringen. Als aberendlich die Stunde herangekommen war, die Giannole mitCrivello verabredet hatte, sagte dieser bei sich selbst: „WasHab' ich mich um die Alte zu kümmern? Will sie nichtstill sein, so kann sie auch noch ihr Theil abkriegen." Da-mit machte er das verabredete Zeichen und ging, die! Thür zu öffnen. Sogleich traten Giannole, der schonberbeigekommen war, und zwei seiner Begleiter in dasHaus ein und ergriffen das Mädchen, die sie im Saalefanden, um sie fortzuschleppen. Das Mädchen wehrte sichund schrie, was sie nur konnte, und die Magd nicht min-der. Minghino vernahm das Geschrei und eilte mit denSeinigcn gleich dahin, von wo er es kommen hörte.Wie diese nun das Mädchen schon zur Thüre herausschlep-' pen sahen zogen sie sammtlich ihre Schwerter und riefen:
^ „Ihr Verrather, Ihr seid des Todes! das soll Euch nichtgelingen! was ist das für ein Unfug!" Mit diesen Wor-ten schlugen sie auf jene los, und über den Lärm kamendenn auch die Nachbarn mit Lichtern und mit Waffen. herbeigelaufen und tadelten nicht allein den versuchten Fre-vel, sondern standen auch dem Minghino thätig bei. Sogelang es dem Letzteren nach langem Kampfe, das Mädchendem Giannole wieder abzunchmen und sie zurück in dieDekameron. II. "