Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

106 Fünfter Tag. Erste Geschichte.

hatte. Zuerst bat er den Vater, ihn im Anzugs und inallem Andern ebenso geschmückt, wie seine Brüder einher-gehen zu lassen, und der Vater that es mit Freuden.Dann suchte er den Umgang wackerer junger Leute underforschte von ihnen, was für Sitten adlichen Männern,besonders aber den Verliebten geziemen, und lernte zuJedermanns größter Verwunderung in gar kurzer Zeit nichtallein die Ansangsgründe der Wissenschaften, sondernmachte sich auch die Weltweisheit auf das vollkommenstezu eigen. Wie die Liebe, welche er für Iphigenien em-pfand, ihn zu dem Allen geführt hatte, so verwandeltesie auch ferner seine rauhe und bäurische Stimme in einewohlklingende und gebildete und ließ ihn des Spieles unddes Gesanges wohl erfahren und im Reiten und denWaffenübungen zu Wasser und zu Lande geübt undtapfer werden. Kurz, um nicht alle seine Geschicklichkeitenim Einzelnen aufzählen zu müssen, noch war seit demTage, an dem er sich zuerst verliebt hatte, das vierteJahr nicht verstrichen, als er schon alle junge Männer,die auf der Insel Cypern zu finden waren, an Artigkeit,guter Sitte und vorzüglichen Eigenschaften übertraf. Wiesollen wir, o holde Damen, uns nun wol diese Erschei-nung erklären? Gewiß, wir können es nur dadurch, daßwir voraussetzen, ein neidisches Geschick habe die hohenAnlagen, mit denen der Himmel Eimon's Seele ausge-stattet hatte, in den engsten Raum seines Herzens zu-sammengedrängt und dort mit den festesten Banden solange gefesselt und verschlossen, bis der gewaltigere Amoralle jene Ketten sprengte und zerbrach, die schlummernden,von trauriger Betäubung umnachteten, Lebensgeister er-weckte und mit seiner Kraft an das Helle Licht zog, umdadurch zu offenbaren, aus welcher Dunkelheit er die ihmergebenen Geisteskräfte durch seine Strahlen zum vollenGlanze zu führen vermöge.

Ob Eimon nun wol nach der gewöhnlichen Art verliebterJünglinge bei seiner Liebe für Iphigenien in einigen Dingen