Druckschrift 
2 (1843)
Entstehung
Seite
103
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Cimon und Iphigenie. 103

Nach Dem nämlich, was ich vor Zeiten in den altenGeschichten der Cyprier gelesen habe, lebte auf jener Inselein Mann von edlem Geschlechts, der Aristipp hieß und anReichthum in zeitlichen Dingen alle seine Landsleute umVieles übertraf, so daß er, wenn das Schicksal ihm nichtin einem Punkte feindlich gewesen wäre, sich vorzugsweiseglücklich hätte erachten können. Er hatte aber unter sei-nen übrigen Kindern einen Sohn, der an Größe undkörperlicher Schönheit zwar die übrigen jungen Männerübertraf, doch zugleich fast albern und blödsinnig zu nennenwar. Sein wahrer Name war Galesus; weil aber wederdie Bemühungen der Lehrer noch Zureden oder Schlägedes Vaters, noch endlich der Scharfsinn irgend eines An-deren im Stande gewesen waren, ihm von Kenntnissenoder guten Sitten das Mindeste beizubringen, und viel-mehr seine Stimme plump und mißtönend, sein Betra-gen aber mehr einem Viehs als einem Menschen gezie-mend geblieben waren, so nannten ihn Alle spottweisenur den Cimon, was in der dortigen Sprache so vielheißen will, als auf deutsch ein Rindvieh. Das nichtigeLeben des Sohnes ging dem Vater gar sehr zu Herzen,und als er in Betreff seiner endlich alle Hoffnung auf-gegeben, befahl er ihm, um den Anlaß seines Gramesnicht immer vor Augen zu haben, auf das väterlicheLandgut zu gehen und dort mit den Ackerknechten zu leben.Mit dieser Bestimmung war denn auch Cimon, dem dieSitten und Gebräuche der gemeinen Leute viel besser zu-sagten als die feineren, ausnehmend zufrieden.

Während er nun auf dem Lande sich mit den An-gelegenheiten des Landbaues ausschließend beschäftigte, ginger eines Tages bald nach Mittag, seinen Stock auf derSchulter, von einem Vorwerk zum andern und durch-schnitt dabei ein Gebüsch, das, weil es eben Mai war,ein dichtes Laubdach bildete und an jener Stelle geradeseine volle Schönheit zeigte. Hier führte ihn dann seinglückliches Schicksal zu einer kleinen, rings von hohen