Lisabetta's Blumennapf. 53
noch nicht verheirathet hatten. Außerdem hielten sie ineinem ihrer Kaufladen einen jungen Pisaner, NamensLorenzo, als Diener, der alle ihre Geschäfte in Händenhatte und besorgte und überdies von einnehmender Gestaltund gefälligen Sitten war. Als nun Lisabetta diesenmehrmals betrachtet, sing sie sich übermäßig in ihn zuverlieben an. Sobald Lorenzo das zu wiederholten Malengewahr worden war, gab er seine übrigen Liebschaften aufund begann ebenfalls, ihr seine Neigung zuzuwenden; undso geschah es denn, daß bei gleichmäßigem beiderseitigenWohlgefallen sie binnen kurzer Frist sicher zu werden an-singen und miteinander thaten, wonach sie Beide am mei-sten verlangten.
Während sie nun auf diese Weise ihr Verstandnißfortführten und sich einander viele Lust und Zeitvertreibgewährten, wußten sie die Sache doch nicht so geheim zubetreiben, daß nicht der älteste Bruder eines Nachts Lisa-betta, als sie sich in das Schlafzimmer des Lorenzo schlich,von ihr selber unbemerkt, gesehen hatte. So weh es ihmauch that, diese Entdeckung gemacht zu haben, so faßteec doch, als ein verständiger junger Mann wie er war,den geziemenderen Entschluß und sagte vorläufig kein Wort,sondern erwartete unter verschiedenen Gedanken über dasGeschehene, die sich in seiner Seele durchkreuzten, denMorgen. Als aber der Tag angebrochen war, erzählte erseinen Brüdern, was er in der vergangenen Nacht inBetreff Lisabetta's und Lorenzo's gesehen hatte, und be-schloß, nach langer Ueberlegung, mit ihnen gemeinschaft-lich, damit weder ihnen, noch ihrer Schwester Schandedaraus erwüchse, die Sache so lange mit Stillschweigenzu übergehen und sich in Allem zu stellen, als ob sienichts gesehen, oder sonst entdeckt hatten, bis sich einegelegene Zeit finden würde, diesen Schimpf, bevor er ärgerwürde, ohne einigen Nachtheil oder Gefahr, sich aus demGesichte zu schaffen. Sie blieben diesem Entschlüsse treuund plauderten und scherzten mit Lorenzo nach alter Weise;