334 Dritter Tag. Zehnte Geschichte.
meine Hölle nicht in Ruhe. Und darum wirst Du eingutes Werk thun, wenn Du mit Deinem Teufel dieWuth meiner Hölle bändigen hilfst, wie ich mit meinerHölle geholfen habe, Deinem Teufel den Stolz zu vertrei-ben." Rusticus, der von Krauterwurzeln lebte, war ge-nöthigt, in diefem Spiele oft zu passen, und sagte ihr, umdie Hölle zu beschwichtigen, brauche man einen ganzen Hau-fen Teufel; doch wolle er für sie thun, was er irgend imStande sei. So erfüllte er denn zuweilen noch ihreWünsche; doch geschah es so selten, daß es nicht mehrsagen wollte, als wenn man einem Löwen eine Bohnein den Rachen wirft. Auch war die Dirne, die Gottenicht ihren Wünschen gemäß zu dienen glaubte, damitgar nicht zufrieden.
Wahrend aber dieser Streit zwischen dem Teufel desRusticus und der Hölle der Alibech wegen übermäßigenVerlangens und geringer Kräfte noch fortdauerte, geschahes, daß in Capsa ein Feuer auskam, und Alibech's Vatermit allen seinen Kindern und sonstiger Familie im eigenenHause verbrannte, so daß nun Alibech die Erbin des gan-zen Vermögens ward. Deshalb begab sich auch ein jun-ger Mann, Namens Neerbal, der alle sein Geld in Groß-thuereien durchgebracht hatte, wie er hörte, sie sei noch amLeben, auf den Weg, sie zu suchen, und fand sie zu Ru-sticus großer Freude, noch bevor die Gerichte das Vermö-gen, das ihrem Vater gehört hatte, als erbloses Gut ein-gezogen hatten. Er führte sie gegen ihren Willen nachCapsa zurück, heirathete sie und nahm mit ihr das ganzeVermögen hin.
Als aber die Frauenzimmer sie, bevor sie noch beiNeerbal geschlafen hatte, befragten, wodurch sie denn inder Wüste Gott gedient habe, antwortete sie, durch Heim-schicken des Teufels in die Hölle, und Neerbal habe einegroße Sünde begangen, sie solcher Verrichtung zu entzie-hen. Die Weiber fragten, wie man denn den Teufelheim in die Hölle schicke, und die Dirne zeigte es ihnen