320 Dritter Tag. Neunte Geschichte.
heile?" Darauf antwortete der König: „Ihr scheint unsnoch unverheirathet. Wenn Ihr das thut, so werden wirEuch einen guten und angesehenen Mann geben." „GnädigerHerr," sagte das Mädchen „wahrlich, mir ist es lieb, wennIhr mich verheirathen wollt; ich begehre aber Den zumMann, den ich mir von Euch erbitten werde, wobei ichkeinen Eurer Söhne und Keinen aus dem königlichenHause fordern will." Der König versprach ihr alsbald,es zu thun.
Das Mädchen begann nun ihre Heilung und hattebinnen Kurzem, noch vor der bestimmten Frist, den Kö-nig wiederhergestellt. Wie sich dieser nun geheilt fühlte,sagte er: „Jungfrau, Ihr habt Euch einen Mann wohlverdient." „Gut, gnädiger Herr" sagte das Mädchen, „sohabe ich denn Bertran von Roussillon verdienet, den ichschon in meiner Kindheit zu lieben ansi'ng und seit derZeit immer von ganzem Herzen geliebt habe." Dem Kö-nig schien es ein Großes, ihr diesen geben zu sollen; daer es aber einmal versprochen hatte und sein Wortnicht brechen wollte, so ließ er ihn sich rufen und sprachzu ihm: „Bertran, Ihr seid nun erwachsen und hinläng-lich gebildet. Wir wollen, daß Ihr nun zurückkehrt, EureGrafschaft selbst zu regieren; auch sollt Ihr ein Mädchenmit Euch heimführen, das wir Euch zur Frau bestimmthaben." Bertran antwortete: „Und wer ist das Mädchen,gnädiger Herr?" „Dieselbe" antwortete der König, „diemit ihren Heilmitteln unsre Gesundheit wiederhergestellthat." Bertram hatte sie bereits gesehen und erkannt, undobwol auch er sie für schön hielt, sagte er dennoch in demGefühle, daß sie von keinem Geschlechts sei, das seinemhohen Adel gezieme, ganz zornig: „Gnädiger Herr, wolltIhr mir eine Quacksalberin zur Frau geben? Das mögedoch Gott verhüten, daß ich mir jemals solch ein Frauen-zimmer nehme." Der König antwortete: „So wollt Ihrdenn, daß wir unserm Worte untreu werden, welches wir,um unsere Gesundheit wieder zu erlangen, dem Mädchen