Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
318
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318 Dritter Tag. Neunte Geschichte.

wähnten Arztes, Namens Gillette, befand. Diese fühltefür den jungen Bertran eine unendliche Liebe, die viel glü-hender war, als es für ihr zartes Alter gehörte. Bertranaber mußte, als der Graf gestorben war und ihn den Händendes Königs anvertraut hatte, nach Paris ziehen, worüberdas junge Mädchen unbeschreiblich trostlos war. Wie nunbald darauf auch ihr Vater starb, so wäre sie, wenn sieeinen schicklichen Vorwand gewußt hätte, gar gerne auchnach Paris gegangen, um Bertran wiederzufehen. Dasie aber um des Reichthums willen, der ihr nun allein ge-blieben war, von Vielen beachtet ward, so wußte sie keineanständige Auskunft. Inzwischen hatte sie, bereits zu mann-baren Jahren gekommen, da sie noch immer den Ber-tran nicht vergessen konnte, ohne den Grund davon anzu-geben, schon Viele, mit denen ihre Verwandten sie hattenverheirathen wollen, zurückgewiescn.

Nun geschah es, daß sie, mehr als je in Liebe zuBertran entbrannt, der, wie ihr berichtet ward, ein schö-ner Jüngling geworden war, zufällig vernahm, der Königvon Frankreich sei in Folge eines Geschwüres, das er aufder Brust gehabt hatte und das von den Aerzten schlechtgeheilt war, mit einer Fistel behaftet, die ihm große Un-bequemlichkeit und heftige Schmerzen verursache. Auchhabe sich noch kein Arzt gefunden, so viele sich schon da-ran versucht hätten, der im Stande gewesen wäre, ihn zuheilen, vielmehr hätten Alle das Uebel verschlimmert. Da-rum wolle denn der König, der jetzt an der Heilung ver-zweifele, von Niemandem mehr Rath oder Hülfe anneh-men. Das Mädchen war hocherfreut hierüber; denn sieglaubte nun nicht nur einen genügenden Vorwand gesun-den zu haben, um nach Paris zu reisen, sondern sie hoffteauch, wenn diese Krankheit wirklich dieselbe wäre, die sievermuthete, es leicht dahin bringen zu können, daß sieBertran zum Manne bekomme. Deshalb fertigte sie denn,von ihrem Vater in ärztlichen Dingen vielfach belehrt, ausgewissen Kräutern, die für die Krankheit dienlich waren,