Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
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287
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Tedaldo Elisei und Ermellina. 287

Gewißheit, daß der Mord des Tedaldo Elisei von dessenBrüdern dem Aldobrandino Palermini bewiesen und vondiesem eingestanden, das Urtheil auch schon ausgesertigtist. Das hindert aber nicht, daß wir noch ferner schwei-gen müssen; denn erführe man jemals, wir seien es ge-wesen, so hatten wir Dasselbe zu fürchten, was jetzt demAldobrandino bevorsteht." Nach diesen Worten, über diedas Mädchen die größte Freude bezeigte, stiegen sie dieTreppe herunter und gingen schlafen. Tedaldo aber wurdebei Dem, was er gehört hatte, aufmerksam darauf, wievielfach und wie groß die Jrrthümer seien, denen dermenschliche Verstand ausgesetzt ist. Zuerst dachte er daran,wie seine Brüder einen Fremden statt seiner beweint undbegraben, dann wie sie des irrigen Verdachtes wegen einenUnschuldigen angeklagt und durch falsche Zeugen dessenbevorstehenden Tod herbeigeführt hatten. Ferner aberdachte er der blinden Strenge der Gesetze und der Richternach, welche oft im Eifer, die Wahrheit zu erforschen, soerstarren, daß sie das Falsche sich beweisen lassen und,während sie sich Diener Gottes und der Gerechtigkeitnennen, in der That der Unbilligkeit und des TeufelsSchergen sind. Zuletzt aber richtete er seine Gedankendarauf, wie er den Aldobrandino retten könne, und be-schloß, was er zu diesem Ende thun wolle.

Wie er am andern Morgen aufgestanden war, ließ erseinen Diener zurück und ging, sobald es ihm Zeit schien,allein zum Hause feiner Dame. Zufällig fand er dieThür offen, und wie er eintrat, sah er in einem Vorsaalzu ebener Erde die Dame auf dem Boden in tausendThränen und großer Traurigkeit sitzen. Fast hätte er selbstvor Mitleid geweint; er trat aber zu ihr und sagte:Ma-donna, härmt Euch nicht, der Trost ist nahe." Als dieDame diese Worte hörte, erhob sie das Gesicht und sagteweinend:Guter Freund, Du scheinst mir ein fremderPilger; was weißt Du von Trost und von meiner Be-trübniß?"Madonna," erwiderte darauf der Pilger,ich