Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
176
Einzelbild herunterladen
 

176 Zweiter Tag. Siebente Geschichte.

führen wollten; doch führte mir Gott, der vielleicht Er-barmen für mich hegte, in dem Augenblick, wo wir inBaffa ausstiegen, Antigonus am Ufer entgegen. So-gleich rief ich ihn an und sagte ihm in unserer Sprache,damit die Edelleute und ihre Frauen mich nicht verstehensollten, er möge mich als seine Tochter aufnehmen. Erbegriff mich im Augenblick, bezeigte mir die größte Freudeund bewirthete meine Reisegefährten und ihre Frauen, sogut als es irgend in seinen geringen Kräften stand. Dannführte er mich zum König von Cypern, der mich so ehren-voll ausgenommen und Euch zugesandt hat, als ich nichtim Stande bin, es Euch zu berichten. Sollte noch et-was zu sagen übrig sein, so mag Antigonus es nachtra-gen, der diese meine Schicksale schon oft von mir hat er-zählen hören."

Darauf wandte sich Antigonus zu dem Sultan undsagte:Mein Gebieter, Eure Tochter hat Euch Dasselbeerzählt, was ich oftmals, sowol aus ihrem Munde, alsaus dem der Edelleute, mit denen sie nach Cypern kam,vernommen habe. Nur Eines hat sie zu sagen unter-lassen, und das mag sie, wie ich glaube, gethan haben,weil es sich nicht ziemt, daß sie es selber erzähle. Ichmeine nämlich, was mir jene Edelleute und Damen, mitdenen sie gereist war, von dem ehrbaren Leben, das siemit den frommen Frauen geführt, und von ihren Tugen-den und guten Sitten berichtet haben, und wie Männerund Frauen weinten und klagten, als sie sie bei mir zu-rücklassen und sich von ihr trennen mußten. Wollte ichEuch Alles wiederholen, was Jene mir über diesen Punktgesagt haben, so würde nicht allein der gegenwärtige Tag,sondern auch die kommende Nacht nicht zureichen. Nursoviel will ich hinzufügen, daß Ihr nach den Berichtenjener Leute und nach Dem, was ich durch eigne Beobach-tung habe wahrnehmen können, Euch rühmen dürft, unterallen Herren, die eine Krone tragen, die schönste, sitt-samste und trefflichste Tochter zu besitzen." Ueber dies