Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
106
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106 Zweiter Tag. Dritte Geschichte.

Abt umarme ihn auf solche Weise von schändlicher Liebegetrieben. Dieser errieth indes, entweder aus dem Beneh-men des Alefsandro, oder aus eigener Bermuthung sogleichden Verdacht des Letzteren, zog sich deshalb augenblicklichdas Hemde aus, das er noch anhatte, ergriff die Handdes jungen Mannes, legte sie auf seine Brust und sagte:Alefsandro, verbanne Deinen thörichten Wahn und er-kenne hier, was ich bisher verbarg." Alessandro's Handhatte inzwischen auf der Brust des Abtes zwei runde, festeund zarte Hügel entdeckt, die sich nicht anders anfühlenließen, als seien sie von Elfenbein, und kaum hatte erdiese gefunden und sogleich erkannt, sie sei ein Mädchen,so hatte er auch, ohne weitere Aufforderung abzuwarten,sie in den Arm genommen und wollte sie schon zu küssenanfangen, als sie ihn mit folgenden Worten unterbrach:Ehe Du mir näher kommst, höre erst, was ich Dir sa-gen will. Ich bin, wie Du Dich überzeugt haben wirst,ein Weib und kein Mann; als Jungfrau habe ich meineHeimat verlassen und reiste in der Absicht zum Papst,daß er mich verheirathen sollte. Zu Deinem Glücke, odervielleicht zu meinem Unstern bin ich vor einigen Tagen,als ich Dich zum ersten Male sah, in solcher Liebezu Dir entbrannt, daß nie ein Weib heftiger einen Manngeliebt hat. Deshalb habe ich beschlossen, lieber Dich alsirgend einen Andern zum Manne zu nehmen. Willst Dumich aber nicht zur Frau, so verlaß mich augenblicklichund kehre zu Deiner Schlafstelle wieder zurück." ObgleichAlefsandro sie nicht kannte, so schloß er doch, Mt Rück-sicht auf die Gesellschaft, in der sie reiste, sie müsse ver-mögend und vokr gutem Stande sein, und daß sie schönwar, sah er selbst. So antwortete er denn, ohne sicheben lange zu besinnen, wenn es ihr gefällig sei, so seies ihm höchst erwünscht. Darauf richtete sie sich im Betteauf, gab ihm einen Ring in die Hand und hieß ihm,sich ihr vor einem Bilde, das dort hing, und auf welchemunser Heiland abgebildet war, verloben. Dann umarmten