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Erster Tag. Erste Geschichte.
fasten, so habe er das Wasser, vorzüglich wenn er vonGebeten oder Wallfahrten besonders angestrengt gewesensei, mit derselben Lust und demselben Wohlgefallen ge-trunken, als nur der größte Sauser den Wein. Manch-mal habe er sich auch Salat von grünem Kraute ge-wünscht, wie ihn die Bauerfrauen machen, wenn sie aufsFeld gehen, und das Essen habe ihm besser geschmeckt, alser meine, daß es Einem schmecken dürfe, der aus Gottes-furcht faste, wie er es doch gethan habe. „Mein Sohn,"sagte ihm darauf der Mönch, „das sind Sünden, welchedie Natur mit sich bringt, die haben wenig zu bedeuten,und um ihretwillen möchte ich nicht, daß Du Dein Ge-wissen mehr, als Noth thut, beschwertest. Es geschiehtjedem Menschen, wenn er auch noch so heilig ist, daßihm nach langem Fasten das Essen gut schmeckt und nachgroßer Anstrengung das Trinken." „Ach, Herr Pater,"antwortete Chapelet, „Ihr sprecht so, um mich zu be-ruhigen. Das solltet Ihr nicht thun. Euch ist ja be-kannt, daß ich wohl weiß, Alles, was man thut, umGott zu dienen, soll man in ganz reiner Gesinnung undohne einen Flecken der Lust thun, und wer Dem zuwiderhandelt, der sündigt." Höchlich zufrieden, sagte der Mönch:„Nun so freut es mich denn, daß Du es so ansiehst, undich lobe in diesem Stück Dein ängstliches und sorgsamesGewissen. Aber sage mir, hast Du Dich durch Geiz ver-gangen und mehr verlangt, als Du verlangen solltest,oder behalten, was Du nicht behalten durftest?" „Ehr-würdiger Vater," erwiderte ihm Chapelet, „es sollte mirleid thun, wenn Ihr eine falsche Meinung von mir hattet,weil ich bei den Wucherern hier wohne. Ich habe keinenTheil an ihrem Handwerk; vielmehr bin ich zu ihnen ge-kommen, um ihnen ins Gewissen zu reden und sie vondiesem abscheulichen Erwerbe abzubringen. Auch wäremir das, wie ich glaube, gelungen, hatte mich Gott nichtso heimgesucht. Ich kann Euch aber sagen, daß meinVater mir ein schönes Vermögen hinterließ, von dem ich