Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
11
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Pest in Florenz.

II

hört hatte, daß nämlich Damen, wie vornehm, gesittetund schön sie auch waren, wenn sie erkrankten, sich durch-aus nicht scheusten, von Männern, mochten diese jungoder alt sein, sich bedienen zu lassen und ihnen, ganzals ob es Frauenzimmer wären, sobald die Bedürfnisseder Krankheit es erforderten, ohne alle Scham jeden Theilihres Körpers zu entblößen. Vielleicht hat diese Gewohn-heit bei Manchen, die wieder genesen, in spaterer Zeiteinigen Mangel an Keuschheit veranlaßt. Außerdem star-ben aber auch Viele, die vermuthlich, hatte man ihnenHülfe gereicht, durchgekommen waren.

So war denn, theils wegen Entbehrung der nöthigenDienste, theils wegen Heftigkeit der Seuche, die Zahl dertäglich und nächtlich in der Stadt Gestorbenen so groß,daß man sich entsetzte, wenn man sie erfuhr, geschweigedenn, wenn man das Elend selbst mit ansah. Darausentstand aber auch fast unvermeidlich unter Denen, die amLeben blieben, manche Unregelmäßigkeit, die den früherenGebräuchen der Bürger widersprach. So war es Sitte,und wir sehen sie noch heute befolgen, daß die Nachbarin-nen und Verwandtinnen nach Jemandes Tode mit Denen,die dem Verstorbenen am nächsten angehört hatten, imHause des Letztem zusammen kamen und klagten; auf derandern Seite versammelten sich dis männlichen Mitgliederseiner Familie, und Nachbaren und andere Bürger inMenge vor seiner Thür; auch kam die Geistlichkeit, jenach den Umständen des Verstorbenen, dazu, und dannwurde die Leiche auf den Schultern seines Gleichen beiangezündeten Wachskerzen mit Gesang und anderen Be-grabnißfeierlichkeiten zu der Kirche getragen, die jenervor seinem Tode sich ausgewählt hatte. Als indeß dieHeftigkeit der Seuche zu steigen begann, hörten diese Ge-brauche alle oder großentheils auf, und andere erzeugtensich an deren Stelle. Denn nicht allein starben die Mei-sten, ohne daß viele Weiber zusammengekommen wären;sondern gar Manche verließen dies Leben ohne die Gegen-