XI,
Giovanni Boccaccio.
auch' sein Briefwechsel mit Petrarca ergibt, empfindlich undleicht gereizt, so dürfen wir auch die eigenthümliche, nichteben würdige Stellung nicht außer Augen lassen, welchedie Literaten jener Zeit, besonders die ärmeren, den Macht-habern gegenüber einnahmen. Aus den trivialen Spaßender Jongleurs war die moderne Poesie herangewachsen, undDiejenigen, an deren Höfen sie Schutz fand, konnten die-sen Ursprung noch nicht vergessen. Cangrande della Scalafand Dante's tiefsinnige Worte langweilig im Vergleichmit dem Geschwätz eines herumziehenden Spaßmachers,und die plumpste Schmeichelei war die Bezahlung, ohnedie das kümmerliche Gnadenbrot nicht gewährt ward. An, dieser ließ selbst ein Petrarca es mitunter nicht fehlen, nur warer geschickt genug, dem Dinge einen vornehmeren Mantelumzuhängen. In der Thal liegen diese Zustände uns nichtgar so fern. Noch ist wenig mehr als ein Jahrhundertverstrichen, seit die Hofnarren Gundling, Graben zumStein und Morgenstern Leibnitzens Stuhl einnehmen dursten.
Francesco Nelli, welchem selber Boccaccio in jenemBriefe schwere Vorwürfe gemacht hatte, überlebte dessenEmpfang nicht lange. Schon am 7. September battePetrarca an Boccaccio zu melden, daß die Pest ihn hin-weggerafft habe. Drei Jahre später (25. Oct. 1366) starbauch Acciajuoli.
Noch einmal kehrte Boccaccio, durch einen Unmuth,dessen Ursachen wir nicht kennen, aus der Heimat ver-trieben'), im Herbste 1372 nach Neapel zurück. Mai-nardo de' Eavalcanti, Ugo da San Sevecino und andreFreunde empfingen ihn liebevoll; selbst die nun auch be-tagte und vielgeprüfte Königin Johanna suchte ihn dauerndan Neapel zu fesseln °); doch blieb seine äußere Lage dabei
«es cito, vei implesses, neco licet, aut Silltem lentius promisissek.Lece nun« tertirle, et ultiill»e preees meree.
1) Lalllellr, p. 197.
2) Ungcdruckte Briefe bei Lalllellfi p. 196.