hätte der verwegene Jüngling, als gegen Ende des JahresMariens Gemahl nach Capua verreist war, die Einsam-schlafende bei nächtlicher Weile überrascht und durch leiden-schaftliche Beredtsamkeit sie bewogen, sich ihm zu ergeben.In der Fiammetta dagegen weiß der Liebende, der sich dortden Namen Pamsilo beilegt, zuvörderst die Freundschaftder Verwandten, ja des Gemahles seiner Geliebten zu ge-winnen, und gelangt erst nach längerer, erlaubter Vertrau-lichkeit an das verbotene Ziel seiner Wünsche. Welcherdieser beiden Berichte auch der Wahrheit besser entspreche,jedenfalls blieb Boccaccio's Liebe für Maria weder uner-widert noch unbelohnt und diese Tage des Glückes unddes Genusses waren nicht nur flüchtig vorübereilende').Ueber die weiteren Ereignisse fehlt es uns an genügendenNachrichten. In dem, mit dem singirten Namen der Ge-liebten bezeichneten Büchlein (Fiammetta) verlaßt Pamsilo(Boccaccio) zu winterlicher Jahreszeit (!>k>. 2) Fiammettenunter tausend Liebesschwüren und mit dem Versprechen,nach drei oder vier Monaten wiederzukehren, weil der Toddem bejahrten und unbeweibten Vater alle übrigen Kindergeraubt und nur ihn noch gelassen habe^). Die verab-redete Zeit, und noch weit längere vergeht, ohne daß derGeliebte zurückkehrtc. Ein reisender Kaufmann berichtet,Pamsilo sei in der Heimat vermählt (üb. 4). Späterergibt sich zwar, daß nicht Pamsilo, sondern sein Vaterdie Braut heimgeführt habe^), aber auch die berichtigendeKunde meldet, daß jener sich neuer Liebe ergeben habe(Ick». 5). Noch einmal, um die Zeit, als ein neuer Früh-ling anbrach, leuchtete der liebenden Fiammetta erneuteHoffnung, den Geliebten wiederkehren zu sehen. Wirklich
1) „<1uantullgiie «is «tato iungo Io spario" sagt er in der Dc-dication der Theseide.
2) Bergl. die Schilderung des traurigen Lebens im väterlichenHause im Ameto p. 150.
Y Latclettr, p. 275. 76.