Vom Dienst u. Aftervienst unter d. Herrschaft -c- II. Thl. §. 3. 369
nicht zu ändern ist, als abgelhan verstellt, und nun den Pfad zueinem neuen Lebenswandel für uns eröffnet, anstatt daß, wenn dieseLehre den Anfang macht, die leere Bestrebung, das Geschehene un-geschehen zu machen (die Expimwn), die Furcht wegen der Zueig-nung derselben, die Vorstellung unseres gänzlichen Unvermögens zumGuten und die Aengstlichkeit wegen des Rückfalls ins Böse demMenschen den Mulh benehmen ') und ihn in einen ächzenden mo-
*) Die verschiedenen Glaubensarten der Völker geben ihnen nach undnach auch wohl Auen, im bürgerlichen Verhältnis äußerlich auozeichnendenCharakter, der ihnen nachher, gleich als ob er Tcmperamcntseigcnschaft imGanzen wäre, beigelegt wird. So zog sich der Judaismus, seiner erstenEinrichtung nach, da ein Volk sich, durch alle erdenkliche, zum Theil pein-liche Observanzen von allen anderen Völkern absondern und aller Vermischungmit ihnen Vorbeugen sollte, Len Vorwurf deS M en sche n h assc s zu, DerMvhammcdanismus unterscheidet sich durch Stolz, weil er, statt derWunder, an den Siegen und der Unterjochung vieler Völker die Bestätigungseines Glaubens findet, und seine Ändachtsgebräuche alle von der muthigcnArt sind* *). Der Hinduische Glaube gibt seine» Anhängern den Charak-ter der K l ei nm ü thig k eit aus Ursachen, die denen des nächstvorhergehen-den gerade entgegengesetzt sind. — Run liegt es gewiß nicht an der inneren Be-schaffenheit des christlichen Glaubens, sondern an der Art, wie er an dieGemüther gebracht wird, weil» ihm an denen, die es am Herzlichsten mitihm meine», aber vom menschlichen Verderben anhebend und an aller Tugendverzweifelnd, ihr Religionsprincip allein in der Frömmigkeit, (worunterder Grundsatz des leidenden Verhaltens in Ansehung der durch eine Kraftvon Oben zu erwartenden Gottseligkeit verstanden wird,) setzen, ein jenemähnlicher Vorwurf gemacht werden kann; weil sic nie ein Zutrauen in sichselbst setzen, in beständiger Aengstlichkeit sich nach einem übernatürlichen Bei-stände umsehen, und selbst in dieser Selbstverachtung, (die nicht Demuthist,) ein Gunst erwerbendes Mittel zu besitzen vermeinen, wovon der äußereAusdruck (im Pietismus oder der Frömmelei) eine knechtische Gemüths-art ankündigt,
*) g-) Diese merkwürdige Erscheinung (des Stolzes eines unwissenden,obgleich verständigen Volks auf seinen Glauben) kann auch von Ein-bildung des Stifters herrühren, als habe er de» Begriff der EinheitGottes und besten übersinnlicher Natur allein in der Wett wiederumerneuert, der freilich eine Veredlung seines Volks durcti Befreiungvom Bilderdienst und der Anarchie der Vielgötterei sein würde, wennjener sich dieses Verdienst mit Recht zuschreibcn könnte. — Was LasCharakteristische der dritten Klaffe von ReligiöNsgenoffeN betrifft, welcherübel verstandene Demuth zum Grunde hat, so soll die Herabsetzungdes Eigendünkels in der Schätzung seines moralischen Werths, durchdie Vorhaltung der Heiligkeit des Gesetzes, nicht Verachtung seiner
ff) Diese Anmerkung zur Anmerkung ist Zusatz der 2. AuSg.
Kant s- W. VI- 24