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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
Entstehung
Seite
367
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Vom Dienst u. Afterdienst unter d. Herrschaft ic. II. Thk. tz. Z. 367

lebung seiner reinen Ncligionsgesinnung zuträglich findet, welcherGlaube auf diese Art allein einen reinen moralischen Werth hat,weil er frei und durch keine Bedrohung, (wobei er nie aufrichtigsein kann,) abgedrungen ist.

Sofern nun aber auch der Dienst GotteS in einer Kirche aufdie reine moralische Verehrung desselben, nach den der Menschheitüberhaupt vorgeschriebencn Gesetzen, vorzüglich gerichtet ist, so kannman doch noch fragen: ob in dieser immer nur Gottseligkeits-,oder auch reine Tugendlehre, jede besonder?, den Inhalt desRcligionsvortrags ausmachen solle. Die erste Benennung, nämlichGvttseligkeitslehre, drückt vielleicht die Bede: tung des Wortsreligio, (wie es jetziger Zeit verstanden wird,) im objecli'vcn Sinnam Besten aus.

Gottseligkeit enthält zwei Bestimmungen der mora-lischen Gesinnung im Verhältnisse auf Gott; Furcht Gottes istdiese Gesinnung in Befolgung seiner Gebote aus schuldiger(Unterthans-) Pflicht d. i. aus Achtung fürs Gesetz; LiebeGottes aber, aus eigener freier Wahl und aus Wohlgefallenam Gesetze (aus Kindespflicht). Beide enthalten also, noch überdie Moralität, den Begriff von einem mit E'geksschasten, diedas durch diese beabsichtigte, aber über unser Vermögen hinaus-gehende höchste Gut zu vollenden erforderlich sind, versehenen über-sinnlichen Wesen, von dessen Natur der Begriff, wenn wir übecdas moralische Verhältniß der Idee desselben zu uns hinaus-gehen, immer in Gefahr steht, von uns anlhropomorphistisch unddadurch oft unseren sittlichen Grundsätzen gerade zum Nachtheil ge-dacht zu werden, von dem also die Idee in der speculaliven Ver-nunft für sich selbst nicht bestehen kann, sondern sogar ihren Ursprung,noch mehr aber ihre Kraft gänzlich auf der Beziehung zu unsererauf sich selbst beruhenden Pflichlbestimmung gründet. Was ist nunnatürlicher in der ersten Jugendunterweisung und selbst in dem Kan-zelvortrage: die Tugendlehre vor der Gottscligkeitslehre, oder diesevor jener, (wohl gar ohne derselben zu erwähnen,) vorzutragen?Beide stehen offenbar in nothwendiger Verbindung mit einander