360 Religion inncrh. d. Grenzen d. blosen Vernunft. IV. Stück
Morgens auf sein Haupt legt, mit dem kurzen Gebet: „Schlagmich nicht todt!" bis zum sublimirten Puritaner und Indepen-denten in Connecticut ist zwar ein mächtiger Abstand in derManier, aber nicht im Princip, zu glauben; denn was diesesbetrifft, so gehören sie insgesammt zu einer und derselben Klasse,derer nämlich, die in dem, was an sich keinen besseren Menschenausmacht, (im Glauben gewisser statutarischer Sätze, oder Begehengewisser willkührlicher Observanzen) ihren Gottesdienst setzen. Die-jenigen allein, die ihn lediglich in der Gesinnung eines guten Le-benswandels zu finden gemeint sind, unterscheiden sich von jenendurch den Ueberschritt zu einem ganz anderen und über das ersteweit erhabenen Princip, demjenigen nämlich, wodurch sie sich zueiner (unsichtbaren) Kirche bekennen, die alle Wohldenkende in sichbefaßt und ihrer wesentlichen Beschaffenheit nach allein die wahreallgemeine sein kann.
Die unsichtbare Macht, welche über das Schicksal der Men-schen gebietet, zu ihrem Vorlheil zu lenken, ist eine Absicht, die siealle haben; nur wie das anzufangen sei, darüber denken sie ver-schieden. Wenn sie jene Macht für ein verständiges Wesen haltenund ihr also einen Willen beilegen, von dem sie ihr Loos erwarten,so kann ihr Bestreben nur in der Auswahl der Art bestehen, wiesie, als seinem Willen unterworfene Wesen, durch ihr Thun undLassen ihm gefällig werden können. Wenn sie es als moralischesWesen denken, so überztugen sie sich leicht durch ihre eigene Ver-nunft, daß die Bedingung, sein Wohlgefallen zu erwerben, ihr mo-raliscb guter Lebenswandel, vornehmlich die reine Gesinnung, alsdas subjective Princip desselben, sein müsse. Aber das höchste We-sen kann doch auch vielleicht noch überdem auf eine Art gedientsein wollen, die uns durch blose Vernunft nicht bekannt werdenkann, nämlich durch Handlungen, denen für sich selbst wir zwarnichts Moralisches ansehen, die aber doch entweder als von ihm ge-boten, oder auch nur, um unsere Unterwürfigkeit gegen ihn zu be-zeugen, willkührlich von uns unternommen werden; in welchenbeiden Verfahrungsarten, wenn sie ein Ganzes systematisch gcord-
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