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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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354
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354 Religion innerh. d. Grenzcn d. blosen Vernunft. IV. Stück.

wir uns Gott wohlgefällig machen, ein gefährlicher Religionswahnsein. Denn dieses Glauben ist als inneres Bekenntniß seines festenFürwahrhaltens so wahrhaftig ein Thun, das durch Furcht ab-gezwungen wird, daß ein aufrichtiger Mensch eher jede andere Be-dingung, als diese cingchen möchte, weil er bei allen anderen Frohn-diensten allenfalls nur etwas Ueberflüssiges, hier aber etwas demGewissen in einer Declaration, von deren Wahrheit er nicht über-zeugt ist, Widerstreitendes thun würde. Das Bekenntniß also, wo-von er sich überredet, daß es für sich selbst (als Annahme einesihm angcbotcnen Guten) ihn Gott wohlgefällig machen könne, istetwas, was er noch über den guten Lebenswandel in Befolgungder in der Welt auszuübenden moralischen Gesetze thun zu könnenvermeint, indem er sich mit seinem Dienst geradezu an Gott wendet.

Die Vernunft läßt uns erstlich in Ansehung des Mangelseigener Gerechtigkeit, (die vor Gott gilt,) nicht ganz ohne Trost.Sie sagt: daß, wer in einer wahrhaften der Pflicht ergebenen Ge-sinnung so viel, als in seinem Vermögen steht, thut, um (wenig-stens in einer beständigen Annäherung zur vollständigen Angemessen-heit mit dem Gesetze) seiner Verbindlichkeit ein Genüge zu leisten,hoffen dürfe, was nicht in seinem Vermögen steht, das werde vonder höchsten Weisheit auf irgend eine Weise, (welche die Ge-sinnung dieser beständigen Annäherung unwandelbar machen kann,)ergänzt werden, ohne daß sie sich doch anmaßt, die Art zu be-stimmen und zu wissen, worin sie bestehe, welche vielleicht so gc-heimnißvoll sein kann, daß Gott sie uns höchstens in einer symbo-lischen Vorstellung, worin das Praktische allein für uns verständlichist, offenbaren könnte, indessen daß wir theoretisch, was diesesVerhältniß Gottes zum Menschen an sich sei, gar nicht fassen undBegriffe damit verbinden könnten, wenn er uns ein solches Geheim-niß auch entdecken wollte. — Gesetzt nun, eine gewisse Kirche be-haupte, die Art, wie Gott jenen moralischen Mangel am mensch-lichen Geschlecht ergänzt, bestimmt zu wissen, und vcruriheile zugleich alle Menschen, die jenes der Vernunft natürlicher Weise un-bekannte Mittel der Rechtfertigung nicht wissen, darum also auä-

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