Von dem Siege des guten Princi'pS über, das böse. Allg.Anm. 325
verehren; eigentlich aber nicht in so vielfacher Persönlichkeit anru-fen, (denn das würde eine Verschiedenheit der Wesen andeuten, er istaber immer nur ein einiger Gegenstand,) wohl aber im Namen desvon ihm selbst über Alles verehrten, geliebten Gegenstandes, mitdem es Wunsch und zugleich Pflicht ist, in moralischer Vereini-gung zu stehen. Uebrigcns gehört das theoretische Bckenntniß desGlaubens an die göttliche Natur in dieser dreifachen Qualität zurblosen klassischen Formel eines Kirchenglaubens, um ihn von an-deren aus historischen Quellen abgeleiteten GlaubenSarten zuunterscheiden, mit welchem wenige Menschen einen deutlichenund bestimmten (keiner Mißdeutung ausgesetzten) Begriff zu ver-binden im Stande sind, und dessen Erörterung mehr den Lehrernin ihrem Verhältniß zu einander (als philosophischen und gelehrtenAuslegern eines heiligen Buchs) zukömmt, um sich über dessenSinn zu einigen, in welchem nicht Alles für die gemeine Fassungs-kraft, oder auch für das Bedürfniß dieser Zeit ist, der blose Buch-stabenglaube aber die wahre ReligionSgesinnung eher verdirbt, als bessert.
Richters aus Liebe Statt, dessen Mangel nur ein Abwcr'sungsur-kheil nach sich ziehen, wovon aber das Verdammungsurtheil, (in-dem der Mensch alsdann dem Richter aus Gerechtigkeit anheim fällt,) die un-ausbleibliche Folge sein würde. — Auf solche Weise können, meiner Meinungnach, die scheinbar einander widerstreitenden Sätze: „derSohn wird kommenzu richten die Lebendigen und die Todten," und andererseits: „Gott hatihn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß sie durchihn selig werde" (Ev. Joh. HI, 17), vereinigt werden, und mit dem inIlebereinstimmung stehen, wo gesagt wird: „wer an den Sohn nicht glaubet,der ist schon gerichtet" (V- 18), nämlich durch denjenigen Geist, von demes heißt: „er wird die Welt richten um der Sünde und um der Gerechtig-keit willen." — Die ängstliche Sorgfalt solcher Unterscheidungen im Feldeder blosen Vernunft, als für welche sic hier eigentlich angestcllt werden,könnte man leicht für unnütze und lästige Subtilität halten; sie würde cSauch sein, wenn sie auf die Erforschung der göttlichen Natur angelegt wäre.Allein da die Menschen in ihrer Religionöangclegcnheit beständig geneigt sind,sich wegen ihrer Verschuldigungcn an di- göttliche Güte zu wenden, gleich-wohl aber seine Gerechtigkeit nicht umgehen könnet,, ein gütiger Richteraber in einer und derselben Person ein Widerspruch ist, so sieht man wohl,daß selbst in praktischer Rücksicht ihre Begriffe hierüber sehr schwankend nndmit sich selbst unzusammenstimmend sei» müssen, ihre Berichtigung und ge-naue Bestimmung also von großer praktischer Wichtigkeit sei.