Druckschrift 
6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Zweites Stück.

Von dem

Kampf des guten Princips mit dem bösen

um die

Herrschaft über den Menschen.

^, um ein moralisch guter Mensch zu werden, es nichtgenug sei, den Keim des Guten, der in unserer Gattung liegt, sichblos ungehindert entwickeln zu lassen, sondern auch eine in uns be-findliche entgegenwirkende Ursache des Bösen zu bekämpfen sei, dashaben unter allen alten Moralisten vornehmlich die Stoiker durchihr Losungswort Tugend, welches (sowohl im Griechischen, als La-teinischen) Muth und Tapferkeit bezeichnet und also einen Feindvoraussetzt, zu erkennen gegeben. In diesem Betracht ist der NameTugend ein herrlicher Name, und es kann ihm nicht schaden, daßer oft prahlerisch gemißbraucht und, (sowie neuerlich das Wort Auf-klärung) bespöttelt worden. Denn den Muth auffordern, ist schonzur Hälfte soviel, als ihn einflößen; dagegen die faule, sich selbstgänzlich mißtrauende und auf äußere Hülfe harrende kleinmüthigeDenkungsart (in Moral und Religion) alle Kräfte des Menschenabspannt, und ihn dieser Hülfe selbst unwürdig macht-

Aber jene wackeren Männer verkannten doch ihren Feind, dernicht in den natürlichen blos undisciplinirten, sich aber unverhohlenJedermanns Bewußtsein offen darstellenden Neigungen zu suchensondern ein gleichsam unsichtbarer, sich hinter Vernunft verbergenderFeind und darum desto gefährlicher ist. Sie boten die Weisheitgegen die Lhorheit auf, die sich von Neigungen blos unvorsichtig