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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
Entstehung
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205
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Von d. Ei'nwohnuug d. bösen PrincipS neben d. guten. IV. 205

Dasein erklären wollen, (daher ihn auch die Schrift, dieser un-serer Schwäche gemäß, so vorstellig gemacht haben mag.)

Der Bernunftursprung aber dieser Verstimmung unserer Will-kühr in Ansehung der Art, subordinirte Triebfedern zu Oberst inihre Maximen aufzunehmen, d. i. dieses Hanges zum Bösen, bleibtuns unerforschlich, weil er selbst uns zugerechnet werden muß, folg-lich jener oberste Grund aller Maximen wiederum die Annehmungeiner bösen Maxime erfordern würde. Das Böse hat nur aus demMoralisch-Bösen, (nicht den blosen Schranken unserer Natur) ent-springen können; und doch ist die ursprüngliche Anlage, (die auchkein Anderer, als der Mensch selbst verderben konnte, wenn dieseKorruption ihm soll zugerechnet werden,) eine Anlage zum Guten;für uns ist also kein begreiflicher Grund da, woher das moralischeBöse in unS zuerst gekommen sein könne. Diese Unbegreiflichkeit,zusammt der näheren Bestimmung der Bösartigkeit unserer Gat-tung drückt die Schrift in der Geschichtserzählung *) dadurch aus,daß sie das Böse, zwar im Weltanfange, doch noch nicht im Men-schen, sondern in einem Geiste von ursprünglich erhabener Be-stimmung voranschickt; wodurch also der erste Anfang alles Bösenüberhaupt als für uns unbegreiflich, (denn woher bei jenem GeistedasBöse?) der Mensch aber nur als durch Verführung ins Böse

*) Das hier Gesagte muß nicht dafür angesehen werden, als ob esSchrift-auslegung sein solle, welche außerhalb den Grenzen der Befugnis der blosenVernunft liegt. Man kann sich über die Art erklären, wie man sich einenhistorischen Vortrag moralisch zu Nutze macht, ohne darüber zu entscheiden,ob das auch der Sinn des Schriftstellers sei, oder wlr ihn nur hineinlegen;wenn er nur für sich und ohne allen historischen Beweis wahr, dabei aberzugleich der einzige ist, nach welchem wir aus einer Schriftstelle für unsetwas zur Besserung ziehen können, die sonst nur eine unfruchtbare Ver-mehrung unserer historischen Erkenntnis sein würde- Man muß nicht ohneNoth über etwas und das historische Ansehen desselben streiten, was, ob csso oder anders verstanden werde, nichts dazu beiträgt, ein besserer Menschzu werden, wen», was dazu beitragen kann, auch ohne historischen Beweiserkannt wird, und gar ohne ihn erkannt werden muß. Das historische Er-kenntnis), welches keine innere für Jedermann gültige Beziehung hierauf hat,gehört unter die Adiaphora, mit denen cs Zeder halten mag, wie er esfür sich erbaulich findet.