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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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196
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I!)6 Religion innerh. d- Grenzen d. blosen Vernunft. I. Stück.

gegen das Gesetz selbst zur Triebfeder, (denn ohne alle Triebfederkann dieWillkühr nicht bestimmt werden,) erhoben und so das Sub-ject zu einem teuflischen Wesen gemacht werden würde.Keines von Beiden aber ist auf den Menschen anwendbar.

Wenn nun aber gleich das Dasein dieses Hanges zum Bösenin der menschlichen Natur, durch Erfahrungsbewcise des in der Zeitwirklichen Widerstreits der menschlichen Willkühr gegen das Gesetz,dargethan werden kann, so lehren uns diese doch nicht die eigentlicheBeschaffenheit desselben und den Grund dieses Widerstreits; sonderndiese, weil sie eine Beziehung der freien Willkühr, (also einer solchen,deren Begriff nicht empirisch ist,) auf das moralische Gesetz alsTriebfeder, (wovon der Begriff gleichfalls rein intellektuell ist,) be-trifft, muß aus dem Begriffe des Bösen, sofern es nach Gesehender Freiheit (der Verbindlichkeit und Zurechnungsfähigkeit) möglichist, » priori erkannt werden. Folgendes ist die Entwickelung desBegriffs.

Der Mensch (selbst der ärgste) thut, in welchen Maximen es auchsei, auf das moralische Gesetz nicht gleichsam rebellischer Weise (mitAufkündigung des Gehorsams) Verzicht. Dieses dringt sich ihmvielmehr, kraft seiner moralischen Anlage, unwiderstehlich auf; undwenn keine andere Triebfeder dagegen wirkte, so würde er es auch alshinreichenden Bcwegungsgrund der Willkühr in seine oberste Maximeaufnehmen, d. i. er würde moralisch gut sein. Er hängt aberdoch auch, vermöge seiner gleichfalls schuldlosen Naturanlage, anden Triebfedern der Sinnlichkeit, und nimmt sie (nach dem sub-jektiven Princip der Selbstliebe) auch in seine Maxime auf. Wenner diese aber, als für sich allein hinreichend zur Bestimmungder Willkühr, in seine Maxime aufnähme, ohne sich ans moralischeGesetz, (welches er doch in sich hat,) zu kehren; so würde er mo-ralisch böse sein. Da er nun natürlicher Weise beide in dieselbe auf-nimmt, da er auch jede für sich, wenn sie allein wäre, zur Wil-lensbestimmung hinreichend finden würde; so würde er, wenn derUnterschied der Maximen blos auf den Unterschied der Triebfedern(der Materie der Maximen), nämlich, ob das Gesetz oder der

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