158 Ueber das Mißlingen aller philosophischen
WelturheberS in ein unzweideutiges Licht stellen; dagegen aber auchauf die abschreckende, indem er ihm Produkte seiner Macht und dar-unter auch schädliche furchtbare Dinge hernennt, deren jedes für sichund seine Species zwar zweckmäßig eingerichtet, in Ansehung ande-rer aber, und selbst der Menschen zerstörend, zweckwidrig und miteinem allgemeinen, durch Güte und Weisheit angeordneten Planenicht zusammenstimmend zu sein scheint; wobei er aber doch die denweisen Welturheber verkündigende Anordnung und Erhaltung deSGanzen beweist, obzwar zugleich seine für uns unerforschlichen Wege,selbst schon in der physischen Ordnung der Dinge, wie vielmehr dennin der Verknüpfung derselben mit der moralischen, (die unserer Ver-nunft noch undurchdringlicher ist,) verborgen sein müssen. — DerSchluß ist dieser: daß, indem Hiob gesteht, nicht etwa frevel-haft, denn er ist sich seiner Redlichkeit bewußt, sondern nur un-weislich über Dinge abgesprochcn zu haben, die ihm zu hoch sindund die er nicht versteht, Gott das Verdammungsurtheil wider seineFreunde fällt, weil sie nicht so gut (der Gewissenhaftigkeit nach)von Gott geredet hätten, als sein Knecht Hiob. Betrachtet mannun die Theorie, die Jeder von beiden Seiten behauptete; so möchtedie seiner Freunde eher den Anschein mehrerer speculativen Vernunftund frommer Demuth bei sich führen; und Hiob würde wahrschein-licher Weise vor einem jeden Gerichte dogmatischer Theologen, voreiner Synode, einer Inquisition, einer ehrwürdigen Classis oder einemjeden Oberconsistorium unserer Zeit (ein einziges ausgenommen)ein schlimmes Schicksal erfahren haben. Also nur die Aufrichtig-keit deS Herzens, nicht der Vorzug der Einsicht, die Redlichkeit, seineZweifel unverhohlen zu gestehen, und der Abscheu, Ueberzeugungzu heucheln, wo man sie doch nicht fühlt, vornehmlich nicht vorGott, (wo diese List ohnedas ungereimt ist:) diese Eigenschaften sindes, welche den Vorzug des redlichen Mannes, in der Person Hiob's,vor dem religiösen Schmeichler im göttlichen Nichterausspruch ent-schieden haben.
Der Glauben aber, der ihm durch eine so befremdliche Auflösungseiner Zweifel, nämlich blos die Ueberführung von seiner Unwiffen-