I2V Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes.
Alle Beweisgründe für das Dasein Gottes können nur entwe-der aus den Verstandesbegriffcn des blos Möglichen, oderaus dem Erfahrungsbegriffe des Cxistirenden hcrgenommenwerden. In dem erstercn Falle wird entweder von dem Möglichenals einem Grunde auf das Dasein Gottes als eine Folge, oderaus dem Möglichen als einer Folge auf die göttliche Existenz alseinen Grund geschlossen. Im zweiten Falle wird wiederum entwe-der aus demjenigen, dessen Dasein wir erfahren, blos auf die Exi-stenz einer ersten und unabhängigen Ursache, vermittelst derZergliederung dieses Begriffs aber auf die göttlichen Eigenschaftenderselben geschlossen, oder es werden aus dem, was die Erfahrunglehrt, sowohl das Dasein, als auch die Eigenschaften desselbenunmittelbar gefolgert.
2 .
Prüfung der Beweisgründe der ersten Art.
Wenn aus dem Begriffe des blos Möglichen als einemGrunde das Dasein als eine Folgerung soll geschlossen werden, somuß durch die Zergliederung dieses Begriffes die gedachte Existenzdarin können angetroffen werden; denn es gibt keine andere Ab-leitung einer Folge aus einem Begriffe des Möglichen, als durchdie logische Auflösung. Alsdenn müßte aber das Dasein wie einPradicat in dem Möglichen enthalten sein. Da dieses nun nachder ersten Betrachtung der ersten Abtheilung nimmermehr Stattfindet, so erhellt: daß ein Beweis der Wahrheit, von der wir reden,auf die erwähnte Art unmöglich sei.
Indessen haben wir einen berühmten Beweis, der auf diesenGrund erbaut ist, nämlich den sogenannten Cartesianischen. Manerdenkt sich zuförderst einen Begriff von einem möglichen Dinge, inwelchem man alle wahre Vollkommenheit sich vereinbart vorstellt.Nun nimmt man an, das Dasein sei auch eine Vollkommenheit derDinge, also schließt man aus der Möglichkeit eines vollkommenstenWesens auf seine Existenz. Ebenso könnte man aus dem Begriffeeiner jeden Sache, welche auch nur als die vollkommenste ihrer Art
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