I. Abth. 3. Betracht. Von dem nothwendigen Dasein. 33
des Daseins keine Verneinung eines Prädicats, wodurch etwas ineinem Dinge sollte aufgehoben werden, und ein innerer Widerspruchentstehen können. Die Aufhebung eines existirenden Dinges ist einevöllige Verneinung Alles desjenigen, was schlechthin oder absolutedurch sein Dasein gesetzt wurde. Die logischen Beziehungen zwi-schen dem Dinge als einem Möglichen und seinen Prädicaten blei-ben gleichwohl. Allein diese sind ganz was Anderes, als die Po-sition des Dinges zusammt seinen Prädicaten schlechthin, als worindas Dasein besteht. Demnach wird nicht ebendasselbe, was in dem Dingegesetzt wird, sondern was Anderes durch das Nichtsein aufgehoben, undist demnach hierin niemals ein Widerspruch. In der letzteren Betrach-tung dieses Werks wird Alles dieses in dem Falle, da man die absolut-nothwendige Existenz wirklich vermeint hat durch den Satz des Wider-spruchs zu begreifen, durch eine klare Entwickelung dieser Untauglichkeitüberzeugender gemacht werden. Man kann indessen die Nothwendigkeitin den Prädicaten blos möglicher Begriffe die logische Nothwendigkeitnennen. Allein diejenige, deren Hauptgrund ich aufsuche, nämlich diedes Daseins, ist die absolute Realnothwendigkeit. Ich finde zuerst:daß, was ich schlechterdings als nichts und unmöglich ansehen soll,das müsse alles Denkliche vertilgen. Denn bliebe dabei noch etwaszu denken übrig, so wäre cs nicht gänzlich undenklich und schlechthinunmöglich.
Wenn ich nun einen Augenblick nachdenke, weswegen dasjenige,was sich widerspricht, schlechterdings nichts und unmöglich sei,so bemerke ich: daß, weil dadurch der Satz des Widerspruchs, derletzte logische Grund alles Denklichen, aufgehoben wird, alle Mög-lichkeit verschwinde und nichts dabei mehr zu denken sei. Ich nehmedaraus alsbald ab, daß, wenn ich alles Dasein überhaupt aufhebe,und hiedurch der letzte Real-Grund alles Denklichen wegfällt, gleich-falls alle Möglichkeit verschwindet und nichts mehr zu denken bleibt.Demnach kann etwas schlechterdings nothwendig sein, entwederwenn durch sein Gegentheil das Formale alles Denklichen aufge-hoben wird, das ist, wenn es sich selbst widerspricht, oder auch,wenn sein Nichtsein das Materiale zu allem Denklichen und alle
Kant s. W. Vi. 3