16 Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes.
allein ihr Urtheil ist, was die Entscheidung des wahren Werthesanlangt, bei Vernünftigen von weniger Bedeutung.
Ich habe mich an einigen Orten vielleicht nicht umständlich genug 'erklärt, um denen, die nur eine scheinbare Veranlassung wünschen, aufeine Schrift den bitteren Vorwurf des Irrglaubens zu werfen, alleGelegenheit dazu zu benehmen; allein welche Behutsamkeit hätte diesesauch wohl verhindern können; ich glaube indessen für diejenigen deutlichgenug geredet zu haben, die nichts Anderes in einer Schrift finden wollen,als was des Verfassers Absicht gewesen ist, hineinzulegen. Ich habemich so wenig wie möglich mit Widerlegungen eingelassen, so sehr auchmeine Sätze von Anderer ihren abweichcn. Diese Entgegenstellungist etwas, das ich dem Nachdenken des Lesers, der beide eingesehenhat, überlasse. Wenn man die Urtheile der unverstellten Vernunftin verschiedenen denkenden Personen mit der Aufrichtigkeit eines un-bestochenen Sachwalters prüfte, der von zwei streitigen Theilen dieGründe so abwägt, daß er sich in Gedanken in die Stelle derer,die sie Vorbringen, selbst versetzt, um sie so stark zu finden, als sienur immer werden können, und dann allererst auszumachen, wel-chem Theile er sich widmen wolle, so würde viel weniger Uneinig-keit in den Meinungen der Philosophen sein, und eine ungchcuchelteBilligkeit, sich selbst der Sache des Gegentheils in dem Grade an-zunehmen. als es möglich ist, würde bald die forschenden Köpfeauf einem Wege vereinigen.
In einer schweren Betrachtung, wie die gegenwärtige ist, kannich mich wohl zum Voraus darauf gefaßt machen, das mancher Satzunrichtig, manche Erläuterung unzulänglich, und manche Ausfüh-rung gebrechlich und mangelhaft sein werde. Ich mache keine solcheForderung auf eine unbeschränkte Unterzeichnung des Lesers, die ichselbsten schwerlich einem Verfasser bewilligen würde. Es wird mirdaher nicht befremdend sein, von Anderen in manchen Stücken einesBesseren belehrt zu werden, auch wird man mich gelehrig finden,solchen Unterricht anzunehmen. Es ist schwer, dem Ansprüche aufNichtigkeit zu entsagen, den man im Anfänge zuversichtlich äußerte,als man Gründe vortrug; allein es ist nicht eben so schwer, wenn