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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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8 Versuch einiger Betrachtungen

von der größten Vortrefflichkeit das höchste endliche Gut, alleinwürdig von dem Obersten unter allen Wesen gewählt zu werden,um mit dem Unendlichen zusammengenommen die größte Summe,die sein kann, auszumachen.

Wenn man mir das oben Bewiesene zugibt, wenn man mitmir einstimmig ist: daß unter allen möglichen Welten eine noth-wendig die vollkommenste sei, so verlange ich nicht ferner zu streiten.Nicht alle Ausschweifung in Meinungen kann uns zu der Be-mühung verbindlich machen, sie mit Sorgfalt zu beantworten.Wenn sich Jemand aufwirst, zu behaupten: die höchste Weisheithabe das Schlechtere besser finden können, als das Beste, oder diehöchste Güte habe sich ein kleines Gut mehr belieben lassen, alsein größeres, welches ebensowohl in ihrer Gewalt war, so halteich mich nicht länger auf. Man bedient sich der Weltweisheitsehr schlecht, wenn man sie dazu gebraucht, die Grundsätze dergesunden Vernunft umzukehren, und man thut ihr wenig Ehre an,wenn man, um solche Bemühungen zu widerlegen, es noch nöthigfindet, ihre Waffen aufzubieten.

Derjenige, welchem eS zu weitläuftig wäre, sich in alle diefeinen Fragen, die wir bis daher aufgeworfen und beantwortethaben, stückweise cinzulassen, würde zwar mit etwas weniger Schul-gelehrsamkeit, aber vielleicht mit eben so bündigem Urtheil eines rich-tigen Verstandes von derselben Wahrheit weit leichter können über-zeugt werden. Er würde so schließen: eine vollkommenste Welt istmöglich, weil sie wirklich ist, und sie ist wirklich, weil sie durchden weisesten und gütigsten Rathschluß ist hervorgebracht worden.Entweder ich kann mir gar keinen Begriff von einer Wahl machen, oderman wählt nach Belieben; was aber beliebt, das gefällt; gefallen aberund für gut halten, vorzüglich belieben, sich vorzüglich gefallen lassen undvorzüglich gut halten, sind meiner Meinung nach nur Unterschiede derWorte. Darum, weil Gott diese Welt unter allen möglichen, die er kannte,allein wählte, muß er sie für die beste gehalten haben, und weilsein Urtheil niemals fehlt, so ist sie es auch in der That. Wennes auch möglich wäre, das höchste Wesen könnte nach der erdich-

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