510
„Sie waren eben erst noch anderer Ansicht, Edwards! — LassenSie ihn nicht dort, nm eines solchen Todes zn sterben," rief Elisa-beth, nnd heftete dabei ans das Antlip des Jünglings einen Blick,welcher die Gesundheit der Sinne ihres Führers zn bezweifeln schien.
„Ein Indianer, nnd verbrennen! Wer hat je gehört, daß einIndianer im Fener gestorben wäre? Ein Indianer kann nicht ver-brennen — der Gedanke ist lächerlich. Eilen Sie, eilen Sic, MißTemple — der Naneh könnte Ihnen gefährlich werden."
„Edwards! Ihr Blick — Ihr Ange erschreckt mich! SagenSie mir aufrichtig, ist die Gefahr größer, als sie scheint? Undwenn es das Aenßerste wäre — ich bin darauf gefaßt."
„Wenn wir jene Felsenspihc erreichen können, ehe sich dieFenermasse ihrer bemächtigt, so sind wir geborgen, Miß Temple!"rief der junge Mann mit einer Stimme, welche alle Schrankenseiner erzwungenen Fassung niedcrbrach. „Fliehen Sic, was Siekönnen, cs gilt Ihr Leben!"
Der Ort, wo Miß Temple den Indianer getroffen, war, wiebereits gesagt, eine jener Felscnplatformen, welche in den Gebirgendieser Gegend eine Art von Terrassen formircn, nnd nach vorn tiefnnd senkrecht abschicßcn. Sie bildete» nahezu einen natürlichen Kreis-bogen, dessen Enden sich in weniger steilen Ansteigungcn mit dem Ge-birge vereinigte». Ueber eine derselben warEdwards herabgekommcn,und eben dahin drängte er Elisabeth mit verzweifelter Hast zurück.
Ungeheure Wolken weißen Rauches umlagerten die Spiye desBerges, und verbargen das Umsichgreifen des wüthcnden Elements;aber ein prasselnder Ton zog die Augen der an Edwards Seiteüber den Grund hinfliehenden Miß Temple gegen die Gränzen desRauches, wo sie bereits die wehenden Flamme» dem Dnnstgcwölkevoranschieße» sah, bald hoch in die Luft auflodernd, bald wiederzur Erde sinkend, wo sie jeden Strunk und jedes Gesträuch, dasihrem glühenden Hauche nahe kam, zn verzehren schienen. DieserAnblick steigerte die beiden Flüchtlinge zn gedoppelter Kraftan-