451
Wir wollen de» Leser nicht mit einer Beschreibung der ver-fänglichen Diskussionen, welche die ersten zwei Stunden ausfüllten,ermüden. Richter Tcmple hatte, kraft seines Amtes, den Ge-schworenen die Nothwendigkeit einer schleunigen Abfertigung an'sHerz gelegt, indem er ihnen, aus Rücksichten der Menschlichkeit,zuerst die Gefangenen im Kerker zur Beachtung empfahl. Dem-gemäß verkündete, nach Abfluß der eben erwähnten Zeit, der Rufeines Gerichtsdicners: „für die große Jury Plah zu machen", denEintritt dieser Körperschaft. Die gewöhnlichen Förmlichkeiten wur-den beobachtet, worauf der Obmann zwei Klagschristen auf dieGerichtsbank legte, von denen dem Richter zuerst der Name Na-thanael Bnmppo's in's Auge fiel. Im Saale herrschte tiefeStille, indem nur von der Seite der Gcrichtsbank ans ein kurzesFlüstern mit dem Sheriff stattfand, welcher sofort seiner Dienst-mannschaft ein Zeichen gab. Ein paar Minuten nachher wurde dasSchweigen durch eine allgemeine Bewegung unter de» Zuhörernunterbrochen, und unmittelbar darauf wurde Lederstrumpf von zweiConstable» in die Angeklagtcnschranke geführt. Das Gesumme legtesich; das Volk drang wieder in den geöffneten Raum, und baldtrat auf's Nene eine so tiefe Stille ein, daß man die schwerenAthcmzüge des Gefangenen vernehmen konnte.
Natty trug seine hirschledernen Kleider, jedoch ohne den Rock,dessen Stelle nur durch ein Hemd von grober Leinwand, das obenlose mittelst einer Hirschsehnc schloß, und den rothen Hals unter denwetterbrannen Zügen des Mannes schauen ließ, vertreten wurde.Es war das erste Mal, daß er die Schwelle eines Gerichtshofsüberschritten hatte, und in seine persönlichen Gefühle schien sichein bedeutender Grad von Neugierde zu mischen. Er erhob seineAugen zu der Gerichtsbank, und von da nach der Geschworenen-Loge, der Schranke und dem Gedränge außerhalb derselben, wo erallenthalben ans Blicke traf, die fest ans ihn geheftet waren. Erbetrachtete sodann sich selbst, als suche er hier die Ursache dieser
29 »