153
wendig sie sich gegenseitig sein wurden. Der Richter, welchem dieTochter des Geistlichen gleichfalls fremd war, freute sich sehr,Jemanden zu finden, dessen Geschlecht, Gewohnheiten und Jahreohne Zweifel viel dazu beitragen konnten, seinem Kinde den Aufent-halt in der einsamen Heimath angenehm zu machen, und sie dieTrennnng von dem geselligen Leben der Hauptstadt verschmerzenzn lehren, während Elisabeth, die sich durch die holde Anmuthund die Andacht der jugendlichen Beterin mächtig angezvgen suhlte,die Verlegenheit der schüchternen Fremden durch die Leichtigkeitihres eigenen Benehmens zu verscheuchen suchte. So waren sieschnell mit einander bekannt, und schon während der zehn Minuten,in welchen sich die Leute ans der Akademie verliefen, wurden zwi-schen den jungen Mädchen Verabredungen nicht nur für den folgendenTag getroffen, sondern diese würde» sich anfden ganzenWinter erstreckthaben, hätte sie nicht der Geistliche durch die Worte unterbrochen:
„Gemach, gemach, meine liebe Miß Temple, oder Sie machenmir mein Mädchen zn zerstreut. Sie vergessen, daß sie meineHaushälterin ist, und daß meine wirthschaftlichen Angelegenheitenunbesorgt bleiben müßten, wenn Luise nur die Hälfte der gütigenEinladungen annehmcn wollte, dieSieahrzu machen so gefällig sind."
„Und warum sollten sie denn nicht überhaupt unbesorgt bleiben,Sir?"fiel Elisabeth ein. „Sie sind Ihrer nur zwei, und meinesVaters Hans hat nicht nur Raum für Sie, sondern wird auchseine Thüre gern öffnen, um solche Gäste zn empfangen. Ge-sellschaft ist ein Gut, das man in dieser Wildniß nicht um bloßerFormen willen zurückweisen muß, und ich habe oft meinen Vatersagen hören, daß Gastfreundschaft in den neuen Landen keineTugend sei, da im Gegentheil der Wirth dem Gaste für denBesuch verpflichtet ist."
„Die Art, wie Richter Temple diese Tugend übt, dient zurBekräftigung seines Ausspruchs, aber es steht uns nicht zn, dar-auf hin zn sündigen. Zweifeln Sie indcß nicht daran, daß Sie uns