205
„Es ist eine weise Verordnung in unserem salischen Gesetz,,die Krone von Frankreich soll nie von der Lanze an den Rockenübergehen/ versetzte Montcalm trocken n»d mit einer gewissen Ho-heit, ging aber sogleich wieder in einen Ton leichter Höflichkeit über:„da alle edleren Eigenschaften sich vererben lassen, so will ich Ihnengerne glauben; aber, wie ich schon sagte, auch der Mnth hat seineGränzen und auch die Menschlichkeit spricht ihr Recht an. Ichhoffe, mein Herr, Sie sind bevollmächtigt, über die Bedingungender Uebergabe des Forts zu unterhandeln?"
„Haben Euer Excellenz unsere Vertheidigung so schwach ge-funden, das; Sie diese Maßregel nothwendig glauben?" —
„Es sollte mir leid thnn, wenn sich die Vertheidigung so langehinanszöge, daß meine rothen Freunde dort noch mehr gereizt wür-den," fuhr Montcalm fort, indem er seine Angen ans die Gruppeaufmerksamer und finsterer Indianer richtete, ohne aus die Fragedes Andern zu achten: „ich finde es schon jetzt schwierig, sie inden Gränzen unsrer Kricgsgebränche zu halten."
Heyward schwieg: denn eine peinliche Erinnerung an die Ge-fahren, denen er eben erst entronnen war, und an die Leiden,welche jene wehrlosen Geschöpfe mit ihm getheilt hatten, drangsich seinem Geiste ans.
„Diese Herren da," fuhr Montcalm fort, indem er seinen ver-meintlichen Vortheil verfolgte, „sind äußerst furchtbar, wenn sie sichi» ihrer Hoffnung getäuscht sehen, und ich brauche Ihnen nicht zusagen, wie schwer es mir fällt, ihren Unmnth in Schrankenzu halten. Nun, mein Herr, wollen wir von den Bedingungensprechen?"
„Ich fürchte, Euer Excellenz sind über die Stärke von WilliamHenry und die Hülfsquelle» der Besatzung getäuscht worden!"
„Ich belagere nicht Quebec, sondern eine Erdschanze, die vonzweitausend dreihundert wacker» Soldaten vertheidigt wird," warseine kurze, aber lakonische Antwort.