37V Ueber d. Gemeinspr.: das mag in d. Theorie richtig sein u. s. w.
nicht verabsäumt anzumerkcn, daß dadurch dem Menschen nicht ange-,sonnen werde, er solle, wenn es auf Pflichtbefolgung ankommt, seine»,natürlichen Zwecke, der Glückseligkeit, entsagen; denn das kann ernicht, so wie kein endliches vernünftiges Wesen überhaupt; sonderner müsse, wenn das Gebot der Pflicht eintritt, gänzlich von dieserRücksicht abstrahiren; er müsse sie durchaus nicht zur Bedingungder Befolgung des ihm durch die Vernunft vorgeschriebcncn Gesetzesmachen; ja sogar, so viel ihm möglich ist, sich bewußt zu werdensuchen, daß sich keine von jener hergeleitete Triebfeder in diePflichtbestimmung unbemerkt mit einmischc; welches dadurch bewirktwird, daß man die Pflicht lieber mit Aufopferungen verbunden vor-stellt, welche ihre Beobachtung (die Tugend) kostet, als mit denVortheilen, die sie uns einbringt: um das Pflichtgebot in seinemganzen, unbedingten Gehorsam fordernden, sich selbst genügsamen undkeines anderen Einflusses bedürftigen Ansehen sich vorstellig zu machen.
») Diesen meinen Satz drückt Hr. Garve nun so aus: „ichhätte behauptet, daß die Beobachtung des moralischen Gesetzes, ganzohne Rücksicht auf Glückseligkeit, der einzige Endzweck für denMenschen sei, daß sie als der einzige Zweck des Schöpfers ange-sehen werden müsse." (Nach meiner Theorie ist weder die Mora-lität des Menschen für sich, noch die Glückseligkeit für sich allein,sondern das höchste in der Welt mögliche Gut, welches in der Ver-einigung und Zusammenstimmung beider besteht, der einzige Zweckdes Schöpfers.)
d) Ich hatte ferner bemerkt, daß dieser Begriff von Pflichtkeinen besonderen Zweck zum Grunde zu legen nöthig habe, vielmehreinen anderen Zweck für den Willen des Menschen herbeiführe,nämlich: auf das höchste in der Welt mögliche Gut, (die imWeltganzen mit der reinsten Sittlichkeit auch verbundene, allgemeine,jener gemäße Glückseligkeit) nach allem Vermögen hinzuwirken; wel-ches, da es zwar von einer, aber nicht von beiden Seiten zusammcn-genommen, in unserer Gewalt ist, der Vernunft den Glauben aneinen moralischen Weltbcherrscher und an ein künftiges Leben inpraktischer Absicht abnöthigt. Nicht als ob unter der Vor-