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5 (1838) Immanuel Kant's Metaphysik der Sitten : in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre, nebst den kleineren Abhandlungen zur Moral und Politik
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3S4 Lugendlehre. Ethische Melhodenlehre. I. Abschn.

Andere zu überlisten, oder dem Gewaltthätigen Kühnheit undstarke Faust, um Andere überwältigen zu können? Das sind jaso viel Mittel, die ein Jeder sich wünscht, um nach seiner Artglücklich zu sein.

Der Schüler. Nein das nicht.

Der Lehrer. Du stehst also: daß, wenn du auch alleGlückseligkeit in deiner Hand und dazu den besten Willen haltestdu jene doch nicht ohne Bedenken Jedem, der zugreift, Preisgeben, sondern erst untersuchen würdest, wiefern ein Jeder derGlückseligkeit würdig wäre. Für dich selbst aber würdest dudoch wohl kein Bedenken haben, dich mit Allem, was du zudeiner Glückseligkeit rechnest, zuerst zu versorgen?

Der Schüler. Ja-

Der Lehrer. Aber kommt dir da nicht auch die Frage inGedanken, ob du wohl selbst auch der Glückseligkeit würdig seinmögest?

Der Schüler. Allerdings.

Der Lehrer. Das nun in dir, was nur nach Glückseligkeitstrebt, ist die Neigung; dasjenige aber, was deine Neigungauf die Bedingung einschränkt, dieser Glückseligkeit zuvor würdigzu sein, ist deine Vernunft, und daß du durch deine Vernunftdeine Neigung cinschränken und überwältigen kannst, das ist dieFreiheit deines Willens. Um nun zu wissen, wie du cs an-fängst, um der Glückseligkeit thcilhafti'g und doch auch nicht un-würdig zu werden, dazu liegt die Regel und Anweisung ganzallein in deiner Vernunft; das heißt so viel, als: du hast nichtnöthig diese Regel deines Verhaltens von der Erfahrung, odervon Anderen durch ihre Unterweisung abzulernen; deine eigeneVernunft lehrt und gebietet dir geradezu, was du zu thun hast.A. B- wenn dir ein Fall vorkommt, da du durch eine sein aus-gedachte Lüge dir oder deinen Freunden einen großen Vorlheilverschaffen kannst, ja noch dazu dadurch auch keinen Anderenschadetest, was sagt dazu deine Vernunft?

Der Schüler. Ich soll nicht lügen; der Vortheil für michund meinen Freund mag so groß sein, wie er immer wolle.Lügen ist niederträchtig und macht den Menschen unwürdig,glücklich zu sein. Hier ist eine unbedingte Nöthigung durchein Vernunftgebot (oder Verbot), dem ich gehorchen muß; wo-gegen alle meine Neigungen verstummen müssen.