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5 (1838) Immanuel Kant's Metaphysik der Sitten : in zwei Theilen, Rechtslehre, Tugendlehre, nebst den kleineren Abhandlungen zur Moral und Politik
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254 Lugendlehre. Eth. Elementar!. I- B. I- Abth. I. Hptst.

Leben aufs Ungewisse, ob er es zwar thut, umseinLebenzuerhalten, und ist sofern in einem weit bedenklicheren Fall desPflichtgesetzes, als der Seefahrer, welcher doch wenigstens denSturm nicht macht, dem er sich anvertraut, statt dessen jener dieKrankheit, die ihn in Todesgefahr bringt, sich'selbst zuzieht. Istalso die Pockeninoculation erlaubt?

Zweiter Artikel.

Von der wollüstigen Selbstschändnng.

tz. 7.

Sowie die Liebe zum Leben von der Natur zur Erhaltung derPerson, so ist die Liebe zum Geschlecht von ihr zur Erhaltungder Art bestimmt; d. i. eine jede von beiden ist Naturzweck,unter welchem man diejenige Verknüpfung der Ursache mit einerWirkung versteht, in welcher jene Ursache, auch ohne ihr dazueinen Verstand beizulegen, doch nach der Analogie mit einem sol-chen, also gleichsam, als brächte sie absichtlich die Wirkung hervor,gedacht wird. Es fragt sich nun, ob der Gebrauch des Vermö-gens zur Erhaltung der Art oder zur Fortpflanzung des Geschlechtsin Ansehung der Person selbst, die es ausübt, unter einem ein-schränkenden Pflichtgesetz stehe, oder ob diese, auch ohne jenen Zweckzu beabsichtigen, den Gebrauch ihrer Geschlechtseigenschasten derblosen thierischen Lust zu widmen befugt sei, ohne damit einerPflicht gegen sich selbst zuwider zu handeln. In der Rechtslehrewird bewiesen, daß der Mensch sich einer anderen Person dieserLust zu Gefallen, ohne besondere Einschränkung durch einen rechtli-chen Vertrag, nicht bedienen könne; wo dann zwei Personen wech-selseitig einander verpflichten. Hier aber ist die Frage: ob in An-sehung dieses Genusses eine Pflicht des Menschen gegen sich selbstobwalte, deren Uebertretung eine Schändung, (nicht blos Ab-würdigung) der Menschheit in seiner eigenen Person sei. Der Triebzu jenem wird Fleischeslust, (auch Wollust schlechthin) genannt.Das Laster, welches dadurch erzeugt wird, heißt Unke» sch heit,