S52 Tugendlehre. Eth. Elementar!. I. B. I- Abth. l Hplst.
Daß der Mensch sich selbst beleidigen könne, scheint ungereimt,zu sein (volenti non lit inguriil). Daher sah es der Stoiker füreinen Vorzug seiner (des Weisen) Persönlichkeit an, beliebig ausdem Leben, (als aus einem Zimmer, das raucht,) ungedrängt durchgegenwärtige oder besorgliche Uebel, mit ruhiger Seele hinauszu-gehen; weil er in demselben zu nichts mehr nutzen könne. — Abereben dieser Muth, diese Seelenstärke, den Tod nicht zu fürchten,und etwas zu kennen, was der Mensch noch höher schätzen kann,als sein Leben, hätte ihm ein um noch soviel größerer Bewegungs-grund sein müssen, sich, ein Wesen von so großer, über die stärk-sten sinnlichen Triebfedern gewalthabenden Obermacht, nicht zu zer-stören, mithin sich des Lebens nicht zu berauben.
Der Persönlichkeit kann sich der Mensch nicht cntäußern, solange von Pflichten die Rede ist; folglich so lange er lebt, und esist ein Widerspruch, daß er die Befugniß haben solle, sich allerVerbindlichkeit zu entziehen, d. i. frei so zu handeln, als ob es zudieser Handlung gar keiner Befugniß bedürfte. Das Subject derSittlichkeit in seiner eigenen Person zernichten, ist ebensoviel, als dieSittlichkeit selbst ihrer Existenz nach, soviel an ihm ist, aus derWelt vertilgen, welche doch Zweck an sich selbst ist; mithin übersich- als bloscs Mittel zu einem beliebigen Zweck zu disponircn,heißt die Menschheit in seiner Person (liomo uvumoiiou) abwür-digen, der doch der Mensch (Iromo xlisenomenou) zur Erhaltunganvertraut war.
Sich eines integrircnden Theils als Organs zu berauben (ver-stümmeln), z. B. einen Zahn zu verschenken oder zu verkaufen,um ihn in die Kinnlade eines Anderen zu pflanzen, oder die Ea-stration mit sich vornehmen zu lassen, um als Sänger bequemerleben zu können u. dgl.,' gehört zum partialen Selbstmorde; abernicht, ein abgestorbenes oder die Absterbung drohendes und hiemitdem Leben nachtheiliges Organ durch Amputation abnehmen zulasten. Auch kann es nicht zum Verbrechen an seiner eigenen Per-son gerechnet werden, sich etwas, das zwar ein Lheil, aber kein