Es wäre jetzt nicht am Ort, au» einander sehen zn wollen, warnmmeine Macht, ihm z» dienen, beschränkt ist; aber wenn Sie dieReiter mir zwei Stunden anfhaltcn können, so hat er nichts mehrzu fürchte». Nach dem, was Sic bereits gethan haben, halte ichSie für fähig, jeder andern Pflicht Genüge zn leisten. Gott hatmir Kinder versagt, junge Dame, aber wenn es sein heiligerWille gewesen wäre, meine Ehe mit Nachkommen zn segnen, sohätte ich einen Schatz, wie Sie, von seiner Gnade erflehen mö-gen. Doch auch Sie sind mein Kind; Alle, die in diesem weitenLande wohnen, sind meine Kinder und Pfleglinge — und so neh-men Sie denn den Segen eines Mannes, der Sie in glücklicherenTagen wieder zn sehen hofft."
Während er so mit einer Feierlichkeit sprach, welche Franziska'sInnerstes ergriff, legte er bedeutungsvoll seine Hand ans ihrHaupt. Das Mädchen richtete arglos ihre Blicke ans ihn undzeigte, da ihre Mantelkappe znrückgefallen war, ihr liebliches Antlitzin den Strahlen des Mondes. Eine Thräne glänzte ans ihrenWangen, und ihr sanftes blaues Auge blickte voll Ehrfurcht z»ihm auf. Harper neigte sich vorwärts, .drückte einen väterlichenKuß ans ihre Stirne und fuhr fort:
„Jeder von diesen Heerdenwcgen wird Sie sicher in das Thalbringen; aber hier müssen wir nns trennen—Ich habe noch vielzn thnn und weit zii reiten. Vergessen Sie meiner in Allem,nur nicht in Ihrem Gebet."
Er bestieg nun sein Pferd, lüpfte seinen Hut und ritt an derRückseite des Berges abwärts, wo er bald unter den Bäumen ver-schwand. Franziska eilte mit leichtem Herzen weiter und erreichteauf dem ersten nach unten führenden Hcerdemvcge in einigen Mi-nuten wohlbehalten die Ebene. Als sie sich durch die Wiesen nachder Wohnung hinznschleichen suchte, erschreckten sie die Hnftrittenahender Pferde, und sie begann zn fühlen, daß unter gewissenUmständen von den Menschen viel mehr, als von der Einsamkeit