Wangen einer hohen Glut, und sie richtete sich in leichter undsicherer Haltung auf. Ihre Hand strich die üppigen Locken ovnihrer schneeigen Stirne, und lies; ein Bild der Schönheit und Un-schuld schauen, dessen Anblick sogar noch ernstere Wesen hätte rüh-ren können. Der Präsident bedeckte einen Moment seine Augen,als ob der milde Blick und die sprechenden Züge des Mädchensihm das Bild einer anderen in's Gedächtnis; riefen. Aber die Be-wegung war nur vorübergehend — er faßte sich wieder und sprachmit einem Ausdrucke, welcher seine geheimen Wünsche verricth —
„Ihnen also hatte Ihr Bruder vorläufig die Absicht mitge-theilt, Ihrer Familie einen geheimen Besuch abznstattcn?"
„Nein! — nein!" sagte Franziska, und drückte die Hand andie Stirne, als ob sie sich mühe, ihre Gedanken zu sammeln; „erhat mir Nichts gesagt — wir wußten nichts von seinem Besuche,bis er ankam. Aber ist es denn nöthig, edlen Männern auseinan-der zn setzen, wie ein Kind sich in Gefahr begeben kann, umeinen alten Vater wieder zn sehen, und das in einer Zeit, wiediese, und in einer Lage, wie die unsrige?"
„Aber war dieses denn das erste Mal? Hat er früher nie voneiner derartigen Absicht gesprochen?" fragte der Obrist, indem ersich mit väterlicher Theilnahme gegen sie verbeugte.
„Freilich — freilich," rief Franziska, indem sie den Ansdruckdes Wohlwollens in seinem Gesichte anffing. „Dieses mar dervierte seiner Besuche."
„Ich wußte es ja!" rief der Veteran, indem er vergnügt dieHände rieb; „zwar ein Wagehals, aber ein warmherziger Sohn— ich stehe euch dafür, meine Herren, ein wackerer Soldat imFeld! In welcher Verkleidung kam er?"
„In keiner, denn damals war keine nöthig; die königlichenTruppen hielten das Land besetzt und sicherten ihm freien Durch-gang."
„Dieß war also der erste Besuch, welchen er ohne die Uniform