„Sie glauben also, daß der Gefangene keine andere, als dievon ihm angegebene Absicht mit seinem Besuche verband?" fragteder Präsident, als er geendet hatte.
„Keine andere, ich bürge mit meinem Leben dafür," rief derMajor mit Feuer.
„Wollen Sic das beschwören?" fragte der unbewegliche Richter.
„Wie kann ich das? Gott allein prüft die Herzen; aber ichkenne diesen Herrn von Kindheit auf, und Betrug war stets sei-nem Charakter fremd. Er ist darüber erhaben."
„Sie sagen, daß er entkam und mit den Waffen in der Handwieder gefangen wurde?" sagte der Präsident.
„Es ist so; auch wurde er im Kampfe verwundet. Sie be-merken, daß er im gegenwärtigen Augenblick noch seinen Arm nichtrecht gebrauchen kann. Würde er sich wohl in einen Kampf ein-gelassen haben, Sir, in welchem er wieder in unsere Hände fallenkonnte, wenn er nicht ein reines Gewissen gehabt hätte?"
„Würde Andre wohl von einem Schlachtfelde gewichen sein,Major Dunwoodie, wenn ihm etwas Aehnliches bei Tarry-Townbegegnet wäre?" fragte der umsichtige Inquirent. „Liegt derDurst »ach Ruhm nicht im Wesen der Jugend?"
„Nennen Sie das einen Ruhm?" rief der Major; — „einschmählicher Tod und ein gebrandmarkter Name?"
„Major Dunwoodie," entgegnete der Andere mit seinem eiser-nen Ernste, „Sie haben edel gehandelt. Ihre Pflicht war schwerund streng; Sie haben sich derselben treu und ehrenvoll entledigt.Wir dürfen jedoch nicht weniger thun."
Während der Untersuchung herrschte unter allen Anwesendendie lebhafteste Thcilnahme. Die meisten der Zuhörer, deren Ge-fühl Grundsätze von dem Thatbestaud nicht zu unterscheiden wußte,waren der Meinung, daß Alles vergebens sei, wenn Dunwoodienicht die Herzen der Richter zu bewegen vermöge. Cäsar drängteseine unförmliche Gestalt vorwärts, und seine Züge, die so