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6 (1853) Der Spion : eine amerikanische Erzählung aus dem Jahre 1780
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Nein," fiel Jsabella ein,Sie haben noch einen Grund, dasLeben zu lieben, der gewaltig im Herzen des Weibes ringteine Täuschung, die nur mit dem Leben erlischt." Sie hielterschöpft inne, und ihre Zuhörer harrte» in athemlosem Schwei-gen, bis sie sich etwas erholt hatte. Dann faßte sie die HandFranziska's und fnhr weicher fort:Miß Wharton, wenn eineSeele lebt, die mit der Dunwoodie's verwandt und seiner Liebewürdig ist, so ist cs die Ihrige."

Eine Glntröthe überflog Franziska's Antlitz, und sie erhobdie von unwillkürlichem Entzücken strahlenden Angen zu dem Ge-sichte der Sprecherin. Aber der Anblick dieses zerstörten Wesensrief ihre edlere» Gefühle zurück, und wieder ließ sie ihr Haupt ansdie Decke des Bettes sinken. Jsabella beobachtete ihre Bewegungenmit dem getheilten Ausdrucke des Mitleids und der Bewunderung.

Das ist die stumme Sprache der Gefühle, die mir jetzt ent-schwunden sind," fnhr sie fort;ja, Miß Wharton, Dun-woodie ist ganz der Ihrige."

Sei gerecht gegen dich selber, theure Schwester!" ries derJüngling,laß keine schwärmerische Großmuth dich veranlassen,deines Charakters zu vergessen."

Sie vernahm seine Worte, und heftete einen Blick innigerLiebe auf ihn; dann schüttelte sie langsam das Haupt und fuhrfort:

Nicht Schwärmerei, sondern die Wahrheit gebietet mir, zusprechen. O wie viel habe ich in einer Stunde erlebt! MißWharton, ich bin unter einer heißen Sonne geboren, und meineGefühle haben ihre ganze Glut eingesogen; ich habe nur für dieLeidenschaft gelebt."

Sprich nicht so sprich nicht so, ich beschwöre dich," riefder bewegte Bruder.Denke daran, daß du deine Liebe einemalten Vater weihtest, und wie uneigennützig und zärtlich deineLiebe zu mir war!"