364
bietnngen ärztlichen Beistandes von Seite des Doktors wurdenbeharrlich znrückgewiesen, und er sah sich endlich veranlasst, miß-mnthig abzuziehen.
„Richtet mich ans," sagte das sterbende Mädchen, „und laßtmich noch einmal in ein Gesicht blicken, welches ich liebe."
Franziska willfahrte schweigend, und Jsabella richtete dasAuge mit schwesterlicher Zärtlichkeit auf Georg.
„Es ist bald vorüber, lieber Bruder — einige Stunden noch,und der Vorhang ist gefallen."
„Du darfst nicht sterben, Jsabella, meine Schwester, meineeinzige Schwester," rief der Jüngling mit einem Ausbruche vonSchmerz, den er nicht zu bewältigen vermochte; „mein Vater!mein armer Vater —"
„Der Gedanke an ihn macht mir den Stachel des Todesschmerzlich — aber er ist ein Soldat »nd ein Christ. MißWharton, ich wollte mit Ihnen von einer Sache reden, welcheSie näher berührt, so lange ich noch Kraft dazu habe."
„O nicht doch," sagte Franziska mit Zartheit; „fassen Siesich und lassen Sie nicht den Wunsch, mir zu gefallen, ein Lebengefährden, das — so — so Vielen thener ist." Die Aufregungerstickte beinahe ihre Worte, denn die Andere hatte eine Saiteberührt, welche in ihrem innersten Herzen wiedcrtönte.
„Armes, gefühlvolles Mädchen!" sagte Jsabella mit einemBlicke der zärtlichsten Theilnahme; „aber die Welt liegt nochoffen vor dir, und warum sollte ich das bischen Seligkeit trü-ben, das sie zu geben vermag. Träume immerhin fort, lieblicheUnschuld, und möge Gott den Tag eines bitter» Erwachens fernehalten!"
„Ach, es ist mir schon jetzt wenig geblieben, dessen ich michfreuen könnte," sagte Franziska, indem sie ihr Antlitz in ihremGewände verhüllte; „ach, es ist ja Alles dahin, was ich ammeisten liebte."