342
ein glänzender Lichtstrahl, welcher die Gegenstände mit der Helledes Mittags beleuchtete. Sara richtete sich in ihrem Bette anf,starrte wild umher, und drückte ihre beiden Hände an die Stirne,als ob sie sich auf Etwas besinne» wollte.
„Dicß also ist der Himmel — und du bist einer seiner lichtenGeister. O wie herrlich ist dieser Glanz! ich dachte mir's wohl,das Gluck, das mir kürzlich zu Theil wurde, sei zu groß für dieErde. Aber wir werden uns Wiedersehen — ja — ja — wirwerde» uns Wiedersehen."
„Sara! Sara!" rief Franziska erschreckt; „meine Schwester
— meine einzige Schwester. — O, lächle nicht so fürchterlich!Erkenne mich, oder dn brichst mir das Herz."
„Still!" sagte Sara, indem sie den Finger erhob; „dnwirst ihn in seiner Ruhe stören — gewiß, er wird mir in'sGrab folgen. Glaubst du wohl, daß zwei Weiber in demGrabe Platz haben? Nein — nein — nein — eine — eine —nur eine."
Franziska ließ ihr Haupt in den Schooß der Schwester sinkenund weinte, im fürchterlichsten Seelenkampfe.
„Kannst dn auch meinen, süßer Engel?" fuhr Sara in weichenTönen fort. — „Dann ist auch der Himmel nicht frei von Schmerz.
— Aber wo ist Heinrich? Sie haben ihn hingerichtet und er mußauch da sein. Vielleicht kommen sie mit einander. O, wie freu-dig wird das Wiedersehen sein!"
Franziska sprang anf und ging im Zimmer anf und ab. Sa-ra's Auge folgte ihr in kindischem Anstaunen ihrer Schönheit.
„Du stehst meiner Schwester gleich; aber alle guten und rei-nen Geister sind sich ähnlich. Sage mir, warst dn je verheirathet?Ließest du dir je die Liebe zu Vater, Bruder und Schwesterdurch einen Fremden stehlen? Wenn du das nicht thatest, sobedanre ich dich, Arme, obgleich dn im Himmel bist."
„Sara — sei ruhig, sei ruhig — ich bitte dich, rede nicht