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6 (1853) Der Spion : eine amerikanische Erzählung aus dem Jahre 1780
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erklänge», welche sie in athemlosem Schweigen an ihre Stellefesselten. Die Weise war wild und die Stimme nnkräftig, aberdie Glut des Vortrags sibertraf Alles, was Franziska je gehörthatte. Sie stand still, und muhte sich, selbst den leisen Ton ihresAthems zn unterdrücken, bis der folgende Gesang geendet war:

Kalt liläSt dcr Wind von Gebirges Höhen,

Und kahl steht die Eiche im Land.

Träge die Nebel den Quellen entwehen.

Am Bach glänzt der eisige Rand;

Die ganze Natnr sucht der Ruhe Lust

Doch des Friedens Schlummer flieht meine Brust.

Lange mein Volk schon die Stürme durchtoben,

Doch die Tapferen stehen der Wut; *

Kraftvoll ringet die Freiheit nach obenGestählt durch des Führers Muth

Verbotener Ehrgeiz entfaltet sein Spiel.

Doch ein Herz, das bricht, kennt kein frohes Gefühl.

Draußen liegt Flur und Hain umzogenDon deS Winters erstarrender Wuth.

Doch meiner Pulse rasches WogenSengt südlicher Sonne Glut.

Da außen trägt Alles sein Eisgewand.

Doch im Herzen lodert verzehrender Brand.

Franziska's ganze Seele war hingerissen von den leisen Tönendes Gesanges, obgleich der Inhalt desselben einen Sinn ausdrücktc,der in Verbindung mit gewissen Ereignissen des gegenwärtigen undvorhergehenden Tages in der Seele des warmherzigen Mädchensein Gefühl von Unruhe znrückließ, welches ihr bisher fremd ge-wesen war. Als die letzten Laute in dem Ohr des bewunderndenMädchens verklungen waren, trat Jsabella vom Fenster zurück,und jetzt znm ersten Male traf ihr Auge ans das blasse Gesichtder Znhörerin. Ein Glntstrom übergos; zn gleicher Zeit BeiderWangen, und die gegenseitig sich begegnenden Angen suchten be-troffen die Erde; doch gingen die Mädchen ans einander zu undreichten sich die Hände, ehe cs eine wagte, der andern in's Ge-sicht zu blicken.