210
„Kein Wort läßt eine vielfachere Deutung zu, als das WortUnglück," sagte der Wundarzt, ohne die schlaue Wendung desWirthes zu berücksichtigen. „Einige halte» dasselbe für ein Unglück,was Andere für ein Glück halten. Unglück erzeugt Unglück. DasLeben ist ein Unglück, denn es kann das Mittel zu anhaltendemUnglück werden, und der Tod ist ein Unglück, weil er die Freudendes Lebens abkürzt."
„Auch ist cs ein Unglück, daß unser Tisch nicht immer einenWein, wie diesen, führt," fiel der Reiter ein.
„Wir wollen darauf anstofien, Sir, da er nach Ihrem Ge-schmack zu sein scheint," sagte Herr Wharton.
Lawton füllte sein Glas bis znm Rande und leerte es mitdem Toaste: „baldiger Friede, oder Kampf ans Tod und Leben!"
„Ich thue Bescheid, Kapitän Lawton, obgleich mir die ArtEurer Manöver nicht znsagr," entgegnete der Wundarzt. „Nachmeiner einfältigen Meinung sollte die Cavallerie in der Nachhutbleiben, um den Sieg vollständig zu machen, nicht aber vornwegzur Erringung desselben benülck werden. Ersteres sollte man ihrenatürliche Beschäftigung nennen, wenn man sich anders einessolchen Ausdrucks bei einem so künstlich znsammengesevten Körperbedienen kann; den» die ganze Geschichte zeigt, daß die Neckereistets am meisten geleistet hat, wen» sie gehörig in der Reservegehalten wurde."
Das Gespräch, welches nn» mehr einen didaetischen Charakterannahm, gab der Miß Pcyton einen Wink, welchen sie nicht ver-nachlässigte. Sic erhob sich und verließ mit den jüngeren Damendas Zimmer.
Fast gleichzeitig baten auch Herr Wharton und sein Sohn,ihre Entfernung zu entschuldigen, die wegen des Todes eines nahenNachbars nöthig geworden sei, und zogen sich gleichfalls zurück.
Der Ausbruch der Dame» war für den Wundarzt das Signal,eine Cigarre hervorznholen, die er denn auch mit einer Umsicht