Sie erhob sich von ihrem Sitze, stahl sich leise zu einer Kom-mode in dem Zimmer des kranken Mannes, nahm eine grosie,schwerfällig gebundene und mit starken Messingklampen verseheneBibel heraus, und kehrte mit derselben zu dem Neger zurück. DasBuch wurde hastig geöffnet und sie begannen sogleich, die Blätterdnrchznsehen. Katy war jedoch nichts weniger als eine geübteLeserin, und Cäsar» waren die Buchstaben durchaus fremd. EineZeitlaug war die Haushälterin bemüht, das Wort Matthäus auf-zusucken, und als sie cs gesunden hatte, zeigte sic cs mit großerSelbstgefälligkeit dem Neger.
„Sehr wohl, nun scheu es durch," sagte der Schwarze, indemer der Haushälterin über die Schulter sah, und ein langes, dünnesLicht von gelbem Talg in einer Weise hielt, daß es sein schwachesLicht aus die Blätter warf.
„Ja, aber ich muß ganz von vorne anfangcn," erwiederte dieandere, und blätterte sorgfältig zurück, bis sie endlich in der Un-geduld zwei Blätter zumal umfchlug, wo sie daun am Ende aufeine Seite stieß, welcüe beschrieben war. „Hier," sagte die Haus-hälterin in bebender Erwartung, „hier sind seine eigenen Worte;ich würde jetzt die ganze Welt darum geben, wenn ich wüßte,wem er die schweren silbernen Schuhschnallen vermacht hat."
„Lesen cs," sagte Cäsar lakonisch.
„Und die schwarze Wallnnßkommode, denn Harvcy kann einsolches Möbel doch nicht brauchen, so lange er ein Junggeselle ist."
„Warum es nicht brauchen, so gut als sein Vater?"
„Und die sechs silbernen Eßlöffel; Harvey bedient sich immereines eisernen."
„Vielleicht er es sagen, ohne so viel reden," versetzte derSchwarze nachdrücklich, indem er mit einem seiner krummen,schmutzigen Finger auf das Buch deutete.
Durch diese wiederholte Aufforderung und die eigene Neugierdeangetrieben, fing Katy an zu lesen. Um jedoch schnell zu dem