85
Der schreckliche Gedanke, bei der Verhaftung seines Freundesin irgend einer Weise Mitwirken zu müssen, die Gefahr für dasLeben des Kapitäns Wharton und Franziska's herzzerreißende Er-klärungen hatten jedoch in der Brust des Majors Dunwoodie eineUnruhe erzeugt, welche er sich vergebens zu verbergen mühte.
Die Aufnahme von Seite der übrigen Familie war herzlichund aufrichtig, sowohl ans alter Achtung, als in Berücksichtigungfrüherer Verpflichtungen, wozu noch die Hoffnungen kamen, welchesich deutlich genug in den Augen des ihm zur Seite stehenden,erröthenden Mädchens anssprachen. Nachdem er mit jedem Fa-milienglied die üblichen Begrüßungen ausgetanscht hatte, winkteer der Wache, welcher der vorsichtige Lawton die Obhnt über denGefangenen anvertraut hatte, das Zimmer zu verlassen. Dannwandte er sich an Kapitän Wharton und begann mit Milde seineNachforschung.
„Erzähle mir, Heinrich, welche Bewandtnis' es mit der Ver-kleidung hat, in welcher Kapitän Lawton dich gefunden habenwill, und erinnere dich — erinnere dich — Kapitän Wharton —daß deine Antworten ganz freiwillig sind."
„Ich habe mich der Verkleidung bedient, Major Dunwoodie,"erwiederte der englische Offizier mit Würde, „um mich in denStand zu sehen, meine Verwandte» zu besuchen, ohne daß ichGefahr liefe, in Kriegsgefangenschaft zu gerathen."
„Du legtest sie aber nicht früher an, als bis du LawtonsReiter kommen sähest?"
„O nein," unterbrach ihn Franziska lebhaft, indem sie in derAngst um ihren Bruder alles Andere vergaß; „Sara und ich habensie ihm angezogen, als die Dragoner erschienen. Nur unsere Un-geschicklichkeit ist Schuld, daß er entdeckt wurde."
Dnnwoodie's Züge strahlten, als er, einen zärtlichen Blickauf die Sprecherin werfend, ihre Auseinandersetzung vernahm.
„Wahrscheinlich also einige von euern Kleidungsstücken, welche