Dieß war jedoch nicht vollkommen richtig. Denn nicht jedesAmt befreit die Betreffenden selbst und ihre Familie von der An-nahme eines Schutzpflegers; diese Wirkung bat nur ein solches Amt.dem das kiesest die ssiin ourrüis bewilligt. Somit stand es auch inden ersten Tagen für Marius schlimm mit seinem Prozesse, und dieStimmung der Richter war entschieden gegen ihn. Dcmungeachtetwurde er am letzte» Tage wider alles Vermuthen sreigesprochen, weilsich eine Stimmengleichheit herausstellte.
Cap. 6.
In seiner Prätur erwarb er sich nur ein sehr bescheidenes Lob.Nach der Prätur erhielt er durch's Loos das „jenseitige*) Spanien"zur Verwaltung, und soll wirklich diese Provinz völlig von Räuber-banden gesäubert haben, — eine Provinz, die damals noch auf derStufe einer thierischen Unkultur stand, indem die Spanier das Räu-berwesen noed immer für die schönste Beschäftigung hielten.
Aber trotz der politischen Laufbahn, die er betreten hatte, besaßer weder Reiche! um, noch Bcredtsamkeit, womit die gefeiertsten Män-ner dieser Zeit das Volk zu leiten suchten. Dagegen war cs das an-gestrengte Emporstreben seines Geistes, die Ausdauer in allen müh-selige» Arbeiten, die plebejische Einfachheit seiner Lebensweise selbst,was seine Mitbürger ihm gewissermaßen hoch anrechneten.
Durch diese Achtung wuchs auch seine Bedeutung so sehr, daß ersogar eine glänzende Heirathsverbindung schließen konnte. Aus einerhohen Familie, der Familie Cäsar, erhielt er die Julia zur Gemahlin,deren Neffe der gleiche Cäsar war, welcher längere Zeit nachher diegrößte Nolle in Nom spielte und theilweise, in Rücksicht der Ver-wandtschaft, sich den Marius zum Vorbilde nahm. (Näheres davonin seiner Lebensbeschreibung.)
Allgemein wird dem Marius auch die Eigenschaft der strengenMäßigkeit und Standhaftigkeit zuerkannt. Von der letzteren liefertunter Anderem sein Benehmen bei der bekannten chirurgischen Ope-ration eine» Beweis. Er hatte nämlicb, wie eS scheint, eine Menge
*) Jenseitige, d. h. jenseits deö Ebro gelegene.