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18 (1866) Theseus und Valerius Publicola
Entstehung
Seite
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neun Jahre sieben Jünglinge und eine gleich große Anzahl vonJungfrauen als Tribut zu senden, — eine Angabe, worin diemeisten Geschichtschreiber übereinstimmen. Wurden nun diese jungenLeute nach Kreta gebracht, so schildert uns die Sage in ihrertraurigsten Gestaltung, wie sie entweder von dem Minotaurus')im Labyrinth aufgefressen wurden, oder wie sie selbst darin ver-irrten und unfähig, wieder einen Ausgang zu finden, jämmerlichverschmachteten. Minotaurus aber sei, nach Euripides' Dar-stellung,

„Ein scheußliches Geschöpf von arg gemischter Art"

gewesen und

„Zur Hälfte Stier, zur Hälfte Mensch — ein Doppelding."

Cap. 16.

Nach Philochorus' Angabe gestehen die Kreter Letzteres nichtein, sondern behaupten: „das Labyrinth sei nur ein Ort desGewahrsams gewesen, ohne weitere Schrecknisse, als daß die 'Ge-fangenen nicht hätten entfliehen können. Minos habe lediglich zuEhren des Audrogeos einige Kampfspiele angestellt, wobei mandie Kinder, welche inzwischen im Labyrinth sicher aufgehobenwurden, an die Sieger als Preis vertheilte. Nun siegte in denfrüheren Kampfspielen gerade der Mann, welcher bei Minos da-mals den größten Einfluß besaß, der Feldherr Taurus, ein harter,unfreundlicher Charakter, der auch mit den athenischen Kindernhochmüthig und rauh umging."

Aristoteles 2) selbst glaubt offenbar — in seinem „Staatder Bottiäer" — ebenfalls nicht an eine Ermordung der Kinderdurch Minos, sondern nur an ein lebenslängliches Sklavenver-hältniß auf der Insel Kreta. „Die Kreter (erzählt er) hatteneinst ein altes Gelübde zu erfüllen und schickten deßhalb eine

1) Minotaurus, eig. Stier des Minos. Die Sagen über ihn sind verschie-den, z. B. bei Apollodor III, I.

2) Aristoteles beschrieb in einem verloren gegangenen Werke die Verfassungvon IR, nach Anderen von 255 Staaten.